| Japan, 2003, 93 min Regie: Takashi Shimizu mit Misa Uehara, Megumi Okina, Misaki Ito, Mit Yui Ichikawa |
In einem Haus, in dem eine gewaltsamer Tod passierte, gehen immer noch die Geister der Verblichenen um.
Eine so kurze Inhaltsangabe habe ich wohl noch nie geschrieben. Das Drehbuch zu diesen beiden unsäglichen Filmen würde wohl auf einem Bierdeckel Platz finden. Beide Filme basieren auf Videofilmen, die drei Jahre zuvor ein erfolgreiches Videothekendasein fristeten. Nun meinte man wohl, diesen Erfolg auf der großen Leinwand wiederholen zu können, indem man ein Team von erfolgreichen Menschen zusammenstellt, die im Japan-Horror ihre Meriten verdient haben (z.B. Kiyoshi KAIRO Kurosawa).
Wie schnell sich jedoch die Zutaten des Japan-Horror abnutzen können, beweisen diese beiden Streifen. Wenn bei Hideo Nakatas RING die Frau mit den langen Haaren aus dem Fernseher steigt oder bei DARK WATER bewegungslos schauende Kinder in die Kamera starren, möchte man sich vor Schauer unter die Bettdecke verkriechen. Wird man aber alle 80 Sekunden mit diesen vermeintlichen Schockbildern konfrontiert, ohne die Protagonisten entsprechend einzuführen, empfindet man als Zuschauer nur quälende Langeweile.
Genau hier liegt das Problem: JU-ON erzählt keine Story sondern ca. 5 - 6 Kurzstorys, die alle mit dem Fluch zusammenhängen. Ein Mitfühlen mit den (schlecht geführten) Figuren mag sich gar nicht erst einstellen, weil diese bis dahin schon weggemetzelt wurden.
Zugegeben: Die Bilder sind hübsch und funktionieren speziell im zweiten Teil auch ganz gut, aber alles wird viel zu inflationär eingesetzt. Alle naslang sieht man sich mit einem leer schauenden Kind oder einer grimmig schauenden Geisterfrau mit langen schwarzen Haaren gegenüber.
Regelrecht nervig ist die Tonspur, da man auf die geistreiche Idee kam, den langsam kriechenden Geistern ein knackendes Geräusch zu unterlegen, welches spätestens nach 30 Minuten immens auf den Wecker geht.
Als junger Kerl kam ich mal auf die großartige Idee, alle meine Lieblingssplatterszenen auf ein Tape direkt hintereinander zu kopieren. Beim späteren Betrachten war ich furchtbar enttäuscht, dass sich keine Wirkung einstellte. Ohne die Rahmenhandlung machen Effektszenen eben keinen Sinn und erzeugen keine Wirkung, ähnlich wirken auch diese (allerdings blutarmen) JU-ON-Filme wie ein Best-Of-Sampler des japanischen Horrors ohne Seele.
Für Fans des Genres kann sich ein Blick (vor allem auf Teil zwei) lohnen, allen anderen sei aber definitiv abgeraten.
Wen die Warnungen nicht abhalten, kann sich JU-ON Teil 1 als HK-DVD für rd. 25 € zulegen. Teil 2 folgt sicherlich in Kürze.
Mirco Hölling (02.09.2003)
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