| Japan, 1999, 100 min Regie: Hiroyuki Tanaka (Sabu) mit Yasuko Matsuyuki, Masanobu Ando, Noami Nishida, Hikedi Noda Akira Yamamoto, Akashi Maro |
Es geht um die Geschichte eines Mannes, der in einem ihm völlig unbekannten Hotelzimmer aufwacht und sich aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums an nichts mehr erinnern kann. Langsam und unterstützt durch Tageszeitungen und Fernsehnachrichten tauchen Erinnerungsfetzen auf, die schließlich ein Gesamtbild ergeben, welches an Originalität und Durchgeknalltheit jenseits jeglicher Tarantino-Epigonen und modischer Brutalitäten / Provokationen liegt. Mehr zu verraten wäre schändlich und müsste mit acht Stunden Pearl Harbour-Berieselung bestraft werden.
Kommentar
Der junge japanische Regisseur "Sabu" hat uns bereits mit einigen kleinen Meisterwerken des modernen Kinos erfreut. Der hierzulande leider recht unbekannte D.A.N.G.A.N. RUNNER (WIE EINE KUGEL IM LAUF) von 1996 nahm den Semi-Independent-Erfolg LOLA RENNT um zwei Jahre vorweg. Wobei dem Rezipienten beider Filme die Wahl zugunsten der japanischen Variante nicht schwer fallen sollte.
MONDAY ist nun sein letzter Streich, der dankenswerter Weise mal wieder von Rapid Eye Movies auch dem deutschen Publikum in verschiedenen Arthaus-Kinos in OmU vorgeführt wird.
Nur so viel:
Was sich entwickelt führt in der richtigen Stimmung zu Bauchkrämpfen vor Lachen, wie man es lange nicht mehr erlebt hat. Immer wenn man denkt, es geht nichts mehr, haut Sabu noch einen oben drauf. Im Bereich der Komödie ist MONDAY wohl das Highlight der letzten Jahre.
Immer wenn der Film in den Klamauk abzurutschen droht, nimmt Sabu einen Gang raus und baut Spannungsmomente, heftige Gewaltausbrüche oder gar Surrealismen ein, daß einem die Kinnlade herunterfällt. Nur um kurz darauf wieder einen Gag zu platzieren, was zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle führt, welche ihresgleichen sucht.
Getragen wird der Film durch das herrliche Spiel des gesamten Ensembles, allen voran Shinichi Tsutsumi in der Hauptrolle des Takagi. Tsutsumi, der bereits in allen Sabu-Produktionen mitgewirkt hat, gibt den Takagi als harmloses und unbedarftes Opfer der Umstände und des Alkohols, mit herrlich überdrehter jedoch jederzeit glaubwürdiger Mimik und Gestik. Im Verlauf des Films soll Takagi seine Opferrolle jedoch noch verlassen, was zu einem der unglaublichsten Finals des vergangen Jahrzehnts führt.
Kameraführung und Schnitt passen sich flexibel der Situation an. Momente der absoluten Ruhe (typisch japanisch ist die Eröffnungs-Begräbnis-Sequenz mit stoisch ruhiger Kamera und ausgedehnten schnittlosen Sequenzen) wechseln mit Hochgeschwindigkeitsgewittern, ohne jemals den Rhythmus des Films zu zerstören.
Häufig wird MONDAY vorgeworfen, doch nur die schlechtere Variante von DANGAN RUNNER zu sein, was sicherlich den Tatsachen entspricht. Aber einem Komödienklassiker wie MONDAY einen noch besseren Vorgänger vorzuwerfen, ist nicht fair und wird dem Film nicht gerecht. Wäre MONDAY nicht von Sabu, sondern von einem x-beliebigen anderen Regisseur aus der Taufe gehoben worden, würden entsprechende Diskussionen nicht entstehen.
Alles in allem schnell ins Kino bzw. der Veröffentlichung auf DVD entgegenfiebern.
(Mirco Hölling, 24.07.2001)
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