Die Familie Katakuri (4 Generationen) kaufen sich ein Häuschen auf dem Lande, in der Hoffnung, dort mit einer kleinen Gastwirtschaft und einer Pension Frieden und Wohlstand zu finden. Leider will es das Schicksal, dass alle ihre Gäste eines seltsamen Todes sterben und so greift man eben zum Spaten und vergräbt die unliebsamen Gäste in der Umgebung.
Wem bislang noch nicht klar war, dass Takashi Miike 'ne Feile im Kopf hat, dürfte nach diesem Erlebnis endgültig davon überzeugt sein. Es handelt sich dabei übrigens um eine SEHR große Feile.
THE HAPPINESS OF THE KATAKURIS ist eine Mischung aus Monty Python und den Waltons auf LSD – und dazu noch ein MUSICAL!!!! Alleine die Anfangssequenz ist dermaßen kryptisch und durchgeknallt, dass einem die Spucke wegbleibt: Eine junge Frau sitzt im Restaurant und isst eine Suppe, aus dieser steigt ein aus Knetgummi(!) animierter Kobold mit Flügeln, der ihr das Zäpfchen aus dem Rachen reißt. Mit diesem Zäpfchen fliegt er von dannen, nur um sogleich von einem Knetgummi-Raben gefressen zu werden, der wiederum von einem Knetgummi-Teddybär gefressen wird undsoweiterundsofort. Mit der eigentlichen Handlung hat das ganze GAR nichts zu tun (und WENN, ist mir ein Zusammenhang verborgen geblieben).
Danach beginnt die völlig überdrehte Familie Katakuri in den Mittelpunkt der Handlung zu treten. Fortan gibt es episodenhafte Geschichten und Geschichtchen, immer gerne unterbrochen durch völlig absurde Einfälle oder hanebüchene Gesangs- und Tanzeinlagen. Die Bildgestaltung ist schrill und wild. Schnelle Schnittfolgen und Reißschwenks wechseln mit Knetgummi- oder computeranimierten Passagen. Alle Personen, Verhaltensweisen, Kulissen oder auch Situationen sind überdreht und grotesk.
Die Musikstücke weisen übrigens den Charme von billigen 70er-Jahre-Musicals oder aber christlicher Popmusik auf. Schön ist das ganze beileibe nicht. Zumal bis auf den Darsteller des Richard Sawada (Iwamano Kiyoshiro) niemand über eine musikalische Ausbildung verfügt (was man auch deutlich merkt). Timing und Choreographie der Tanzeinlagen wiederum sind jedoch ganz vorzüglich und originell. Miike hat sich hier wohl von der J-Pop-Legende Kome Kome Club inspirieren lassen, die in den 80ern Ähnliches verbrochen haben.
Kitsch wechselt sich ab mit Bizarrem, Postkartenbilder mit blutigen Details. Nichts passt so richtig zueinander und man fragt sich unwillkürlich, für welches Publikum dieser Film gemacht wurde. Letztlich wohl nur für Miike selber und seine Fans, denn ein richtig guter Film ist HAPPINESS... nicht, aber immerhin schrill genug, um einen Blick zu werfen.
Um eben jenen zu werfen, muß man 18 Euro für die HK-DVD hinblättern. Der Ton ist 2.0, das Bild leider etwas dürftig. Dafür gibt’s dann aber noch einen Trailer zu bestaunen.
(Mirco Hölling, 15.11.2002)
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