Und wieder so ein Geschoss aus Johnny To´s Firma Milky Way Image. EXPECT THE UNEXPECTED lullt einen fast ein mit einer Geschichte, die den Rahmen des Konventionellen kaum verlässt. Und dann kommt der Riesenhammer......!!!
EXPECT THE UNEXPECTED erzählt die Geschichte eines Copteams in HK auf der Jagd nach zwei verschiedenen Verbrecherbanden, wovon die eine eher zufällig in den Focus der Ermittler gerät. Zeitgleich versucht Cop Sam (wie immer grandios Lau Chin Wan) seinen ehrgeizigen und etwas freudlosen Boss und Bruder (oder Freund, hier waren die Untertitel nicht eindeutig) Ken (Schönling Simon Yam) mit der alten Jugendfreundin Mandy (hinreißend: Yo Yo Mung) zu verkuppeln. Bei diesen nur bedingt erfolgreichen Versuchen verliebt er sich nun leider selber in sie, wobei verschiedene Konflikte vorgezeichnet sind.
Kommentar
"So weit, so langweilig" mag der geneigte Leser jetzt denken. Aber weit gefehlt!! EXPECT THE UNEXPECTED ist rasant erzählt, mit guten, zum Teil recht brutalen Actioneinlagen gespickt, hat hervorragende Shoot-outs, eine grandiose Darstellerriege und eine tolle Zeichnung auch der kleinsten Nebenrolle. Wie bereits des öfteren aus dem HK-Kino allgemein und aus Milky Way-Filmen speziell bekannt, schaffen es Autor und Regie mit wenigen Worten und Gesten einen hohen Identifikationsgrad mit den Figuren aufzubauen. Nicht zuletzt auch durch zahlreiche komische Momente metamorphiert das Team über die 86 min Laufzeit regelrecht zur Familie.
Unterstützt wird der gute Eindruck durch eine klare, unaufgeregte Kameraführung, die in Actionsequenzen jedoch zu explodieren scheint. Auch Bildgestaltung und Schnitt sind solide und effektiv.
Der minimalistischen Synthie-Score mit Tranceelementen befremdet eingangs, entwickelt aber Schärfe und Konturen und unterstützt das Geschehen auf der Leinwand sehr gewinnbringend.
Trotzdem ist man nach 70 min (an dieser Stelle scheinen sich alle internen und externen Konflikte gelöst zu haben) bei einem ersten Fazit geneigt zu sagen, dass der Film zwar gut, aber kein Hammer ist. Alles ist solide, aber eben doch ein wenig konventionell. Kaum hat man diesen Gedanken zuende gebracht, bricht plötzlich eines der verstörendsten Finals der asiatischen Filmgeschichte über einen herein.
Natürlich wird hier inhaltlich nichts verraten, nur so viel: Der Titel des Films ist hier Programm und kommt nicht von ungefähr. Plötzlich ergibt die eher konventionelle Herangehensweise des gesamten Films einen Sinn. Umso größer ist nämlich hinterher der Schock, wenn die vorher aufgebauten Regeln plötzlich radikal gebrochen werden.
Johnny To´s Ziehkind Regisseur Patrick Yau legt hier sein drittes Meisterwerk in Folge hin (nach dem nihilistischen Meisterwerk THE LONGEST NITE und der ruppigen, hippen Gangsterballade THE ODD ONE DIES). Stil- und zielsicher spielt er mit dem Publikum, ja manipuliert es geradezu.
Also schnellstmöglich die wirklich günstige und lohnenswerte HK-DVD (12,- EUR) mit engl. UT (die UT sind allerdings von zweifelhafter Qualität und nur etwas für Schnellleser) und etlichen (leider nicht untertitelten) Extras bestellen und sich auf Einiges gefasst machen.
(Mirco Hölling, 19.11.2001)
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