"Die Gefangene 701, Nami Matsushima (Meiko Kaji), auch kurz einfach nur Matsu genannt, wagt einen Ausbruch aus dem Gefängnis, der aber nicht glückt. Aber auch in der anschließenden Einzelhaft nebst Folter durch das Gefängnispersonal läßt sie sich nicht unterkriegen und denkt nur an die Rache an ihren ehemaligen Liebhaber Sugimi (Isao Natsuyagi). Für ihn schlich sie sich in eine Yakuza-Organisation ein, wurde aber als Spionin entlarvt und wurde somit nutzlos für Sugimi, dem es egal war, dass sie danach ins Gefängnis kam. Der verspricht nun allerdings Matsus Mithäftling Katagiri (Rie Yokoyama) die Freiheit, wenn es ihr gelingt Matsu umzubringen ..."
(SenseofView.de)
Zu Beginn von FEMALE PRISONER 701 - SCORPION (Sasori - Scorpion) ist die japanische Flagge zu sehen. Was dann in den folgenden 87 Minuten zu sehen ist, könnte man als ein aus den Fugen geratenes Japan bezeichnen, in dem der dargestellte Frauenknast wie ein Spiegelbild der japanischen Gesellschaft wirkt.
Bevölkert wird diese Welt von sadistischen, männlichen Wärtern die ihre weiblichen Insassen quälen und schikanieren wie es ihnen beliebt. Und selbst die Gefangenen stellen keine einheitliche soziale Gemeinschaft dar, da diese sich auch untereinander bekämpfen.
Eine deprimierende Welt, die Shunya Ito in seinem furiosen Erstlingswerk darstellt. Sein Film basiert auf dem populären Manga SASORI von Tooru Shinohara, der auch schon die Vorlage für ZERO WOMAN:RED HANCUFFS (Der Tiger von Osaka) lieferte. Beiden Filmen ist auch gemein, dass die Welt als Hölle dargestellt wird. Eine Hölle die für alle ein Gefängnis ist, aus der es für niemanden ein Entkommen gibt.
Und mittendrin ist Meiko Kaji als wahre Superheldin wie sie wohl nur das japanische Kino hervorbringen kann. Sie wirkt wie eine Mischung aus Clint Eastwood in seinen Italowestern und James Bond. Und natürlich sehnt sich Meiko Kaji als Matsuo nach Rache. Denn sie will Rache an dem Polizisten üben, der dafür gesorgt hat, dass sie ins Gefängnis gekommen ist. Doch vorher muss sie Quälereien, Schmähungen und Beleidigungen stoisch über sich ergehen lassen.
Meiko Kaji wurde durch diese Rolle zum weiblichen Star der 1970iger Jahre. Ihr Ruhm gipfelte in
dem Rache-Meisterwerk LADY SNOWBLOOD sowie in der nicht ganz so starken Fortsetzung LADY SNOWBLOOD – LOVE SONG OF VENGEANCE. Allesamt Filme, denen Quentin Tarantino in seiner KILL BILL-Saga Reverenz erwies und Uma Thurman zur legitimen Nachfolgern von Kaji Meiko stilisierte. Sogar der schöne vom Regisseur verfasste Titelsong URAMI BUSHI, der von der Hauptdarstellerin auch selbst gesungen wird, ist in KILL BILL zu hören.
Aber natürlich ist nur der Song schön. Über den Film kann man das nicht sagen, da FEMALE PRIOSNER 701 – SCORPION ein wild gewordener und brutaler Comic ist, der so wie viele andere Beiträge des Genres irgendwo zwischen Kunst und Trash steht. Das liegt zum einen an den Darstellern, wie Fumio Watanabe (THE STREETFIGHTER/Der wildeste von Allen) als durchgeknallter Wärter, der mit seiner Rolle auf und davon geht.
Für unfreiwilligen Humor sorgen leider auch übertrieben Kampf Geräusche oder Gefechte, bei denen die Kontrahenten ganz offensichtlich an ihrem Gegenüber vorbeischlagen.
Übersieht man das, so hat man neben LADY SNOWBLOOD und SEX AND FURY einen der am besten gestalteten Filme aus der damaligen Zeit. Was Kamera, Schnitt und das Szenenbild in FEMALE PRISONER 701 - SCORPION abliefern, verschlägt den Atem des Zuschauers. Sei es wenn Kaji in der Dusche von einer wild gewordenen Gefangenen (Klasse: Yoko Mihara auch zu sehen in ZERO WOMAN: RED HANCUFSS/Der Tiger von Osaka) angegriffen wird. Denn die Angreifern wird nicht nur in ein diffuses Licht getaucht sondern ist auf einmal geschminkt als ob sie im Kabuki Theater auftreten würde. Auch famos ist die Rückblende, die zeigt wie Matsuo betrogen wurde. Die Szene ist dermaßen psychedelisch inszeniert, als hätte für einen kurzen Moment Seijun Suzuki (TOKIO DRIFTER) die Regie übernommen.
Das sind dann auch die Momente, die den Film über reinen Exploitation oder Trash hinaus heben.
Es sind die Momente, die FEMALE PRIOSNER 701 - SCORPION zu einem Meisterwerk des
trivialen Kinos machen, der zusammen mit der Fortsetzung nun erstmals auch in Deutschland
bei REM auf DVD veröffentlicht wird.
Grundlage dieser Besprechung ist allerdings die DVD von Tokyo Schock, die dem Trailer und
eine Fotogalerie zu bieten hat. Der DVD ist außerdem ein Essay des Japan Filmspezialisten
Chris D. beigefügt, welches interessante Informationen bereit hält.
Insgesamt gibt es vier Female Priosner Filme mit Meiko Kaji der Hauptrolle. Und das sind FEMALE CONVICT SCORPION JAILHOUSE 41 (Sasori: Jailhouse 41), FEMALE PRIOSNER SCORPION: BEAST STABLE und FEMALE PRIOSNER SCORPION 701 GRUDGE SONG. Daraufhin folgten noch zwei weitere Fortsetzungen ohne Meiko Kaji. Und zu letzt erschien 1991 unter dem Titel SCORPION WOMAN PRIOSNER: DEATH TREAT eine weitere Verfilmung des Stoffes.
Lars Mierke (10.07.2006)