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SPL - Sha Po Lang
Hong Kong/China, 2005, 92 min

Regie: Wilson Yip
mit Simon Yam, Sammo Hung Kam-Bo, Liu Kai Chi, Jing Wu

"Detective Chan Kwok-Chung (Simon Yam Tat-Wah) ist mit Zeugen unterwegs, als ein Auto in ihn crasht und der Killer Jet (Jacky Wu Jing) den Mann tötet. Dadurch kommt Jets Boss, der Gangsterboss Wong Po (Sammo Hung Kam-Bo) frei. Chan, der beim Crash schwer verletzt wurde, erfährt vom Arzt, dass er an einem tödlichen Tumor im Kopf leide. Umso verbissener kämpfen er und sein Team nun daran, Wong hinter Gitter zu bringen. Dabei sind sie auch bereit, das Gesetz zu umgehen - sehr zum Missfallen von Inspektor Ma (Donnie Yen Ji-Dan), der die Einheit bald übernehmen wird und sie stets begleitet. Als Chans Männer bei ihren Aktionen zu weit gehen, hetzt Wong ihnen Jet auf den Hals." (molodezhnaja.ch)

Nach dem enormen Erfolg der INFERNAIL AFFAIRS Trilogie von Alan Mak und dem großartigen Filmen BREAKING NEWS und PTU von Johnnie To versucht auch Wilson Yip mit SPL in diese Phalanx hinein zustoßen. Und tatsächlich sind die Voraussetzungen für einen formal wie auch inhaltlichen weiteren gelungen Gangster- und Polizeifilm optimal.

So ist denn SPL genau wie die oben beschriebenen Vorbilder sehr sorgfältig produziert. Eine wirklich erlesene und schöne Fotografie von Lam Wah Chuen (PUBLIC TOILET), ein vielleicht etwas zu aufdringlicher Score von Chan Kwong Wing und Ken Chan, in einer wichtigen Nebenrolle die Hongkong Legende Sammo Hung (MAGNIFICENT BUTCHER) als Triaden Boss und Martial Arts Szenen die von Donnie Yen (THE TWINS EFFECT) hervorragend choreographiert wurden. Doch das Ergebnis fällt leider etwas zwiespältig aus.

So sehr sich der Film auch wichtig nimmt und vorgibt ganz großes Kino zu sein, so wird dieses weitestgehend in SPL leider nur behauptet. Es mutet schon sehr kitschig an, wenn das Drehbuch aus den handelnden Personen treusorgende Väter oder Söhne, die sich an ihre eigene Väter erinnern, macht. Das soll SPL wohl so etwas wie Tiefe geben, dient aber allein dazu, neben der Genre-Handlung gefühlvolle Momente zu etablieren. Nur eine Krimihandlung zu erzählen, erschien Wilson Yip wohl zu wenig, denn schließlich will man das Publikum auch emotional berühren.

Sammo Hung als Triadenboss nimmt man seine väterliche Rolle ja noch ab, obwohl dieser Aspekt gerade zum Schluss hin arg ausgebeutet wird. Wenn aber Liu Kai Chi (NEW POLICE STORY) als Wah nach langen Jahren zu Hause anruft, um von seiner Mutter zu erfahren, dass sein Vater gestorben ist und genau in diesen Moment der Auftragskiller – schön durchgeknallt Jing Wu – auftaucht, wird der Film doch arg gefühlsduselig. Gerade zum Ende hin rutscht der Film in immer mehr Kitsch und Pathos ab, dass man sich in einer Schnulze wähnt.

Aber natürlich hat SPL eine Menge Action zu bieten. Dabei hat Donnie Yen als Action Regisseur noch für sich selbst die besten Kämpfe ausgedacht. Seine Fights gegen Jung Wu und vor allem gegen Sammo Hung gehören sicherlich mit zu dem besten was man in den letzen Jahren aus Hongkong zu sehen bekommen hat. Selbst Sammo Hung – obwohl teilweise gedoubelt - macht in den Action Szenen, die eine Mischung aus Wrestling, Kung Fu und Judo darstellen, noch eine richtig gute Figur. Auch darstellerisch vermag Sammo Hung als Bösewicht zu überzeugen.

Überhaupt kann man den Darstellern keine Vorwurf machen, da sie allesamt noch das beste aus ihren stereotypen Rollen herausholen. Und das, obwohl Kam Yuen Szeto am Drehbuch mitgeschrieben hat, der immerhin für Skripts von Filmen wie A HERO NEVER DIES und EXPECT THE UNEXPECTED mitgewirkt hat.

Wer aber über die schwächen des Filmes hinwegsieht, kann sich durchaus 90 Minuten lang angemessen unterhalten lassen. Der wird es auch hinnehmen, dass der finale Schlusskampf auf den Vatertag fällt, der nochmals besonders vor Augen führen soll, dass alle Figuren - Polizisten wie Gangster - sowohl Väter als auch Söhne sind. Alle anderen werden sicherlich von soviel Kitsch abgestoßen sein.

SPL, der auf dem Festival von Toronto seine Weltpremiere feierte, lief im vergangenen November in Hongkong im Kino und liegt nun schon als Doppel DVD vor. Der Film ist in Ton und Bild brillant während die Extras jeglichen Informationsgehalt entbehren. Der tolle Trailer, der mehr verspricht, als der Film dann halten kann, ist noch das beste. Das Making-of hat nur Werbecharakter, die Pressekonferenz ist mehr skurril und auch die Fotogalerie vermag nicht wirklich zu überzeugen. Schade, sowohl der Film als auch die DVD bleiben weit unter ihren Möglichkeiten.

Es deutet sich aber an, dass der Film auf dem diesjährigen Fantasy-Filmfest eine Kino-Tour durch die größten Städte Deutschlands vollziehen wird.

Lars Mierke (30.05.2006)