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Street Fighter, The
Japan, 1974, 91 min

Regie: Shigehiro Ozawa
mit Sonny Chiba, Waichi Yamada, Tony Cetera, Yutaka Nakajima

"Eine reiche japanische Öl-Erbin wird von der Yakuza bedroht. Terry Tsugrugi ein einzelgängerischer Karate-Kämpfer, wird beauftragt, sie zu beschützen, um von der Verbrecherorganisation nicht genötigt zu werden, einen Übernahmevertrag zu unterzeichnen." (Eastern Lexikon)

Tsurugi (Sonny Chiba) liegt scheinbar schwer geschlagen am Boden. Da muss er daran denken, wie er als kleiner Junge mitansehen musste wie sein Vater als angeblicher Verräter zum Tode verurteilt wurde. Und sein Vater gab ihn folgendes mit auf dem Weg: Er dürfe nur sich selbst vertrauen und müsse immer stärker als seine Gegner sein. Nur darauf käme es an. Daraufhin rafft sich Tsurugi auf um den verlorenen geglaubten Kampf wieder aufzunehmen. Eine exemplarische Szene für Sonny Chibas wohl besten und auch berühmtesten Film THE STREETFIGHTER (Sonny Chiba - der wildeste von allen). Die oben beschriebene Szene ist so gut, dass sie sogar in den beiden Fortsetzungen zu THE STREETFIGHTER wieder auftauchte.

Wohl selten hat man einen "Helden" in einem Genrefilm gesehen, der sich von seinen Gegnern so wenig unterscheidet, wie der von Sonny Chiba dargestellte Charakter. Seine Methoden sind fast noch brutaler als die der eigentlichen Bösewichter. Da werden Augen ausgestochen, Geschlechtsteile und Stimmbänder heraus gerissen, um dem Gegner der Garaus zu machen. Aber ob das entfernen von Stimmbändern wirklich tödlich ist, darauf gibt erst die Fortsetzung THE RETURN OF THE STREETFIGHTER (Sonny Chiba - der unerbittliche Vollstrecker) eine abschließende Antwort. Auch sehr unappetitlich ist die Szene, in der man zu sehen bekommt wie Chiba einem seiner Gegner den Schädel platt haut. Und diese Aktion wird als Röntgenaufnahme (!) gezeigt, wodurch der Brutalitätsgehalt erheblich gesteigert wird. Diese Idee war so spektakulär, dass sie auch in anderen Martial Arts Filmen Verwendung fand. Zu sehen unter anderen in Bruce Le´s unglaublichen Trashwerk BRUCE LE FIGHTS BACK (Bruce kehrt zurück).

Die Story bleibt dabei naturgemäß etwas auf der Strecke. Auffällig ist eigentlich nur, dass es keine Figuren gibt, für die man so etwas wie Sympathie empfindet. Außer für die entführte Ölbaronin vielleicht, mit der hat man aber eigentlich nur Mitleid. Das Menschenbild dass THE STREETFIGHTER entwirft kann man ganz klar als negativ bezeichnen, denn jede Figur ist nur auf seinen Vorteil bedacht und Konflikte werden nur mittels Gewalt gelöst. Ein Aspekt, den man in vielen japanischen Gangsterfilmen aus den 1970iger Jahren wieder finden kann. Man denke nur an Filme wie RED HANDCUFSS: WOMAN ZERO (Der Tiger aus Taipeh). Wenn man jedoch unbedingt will, kann man den Filmen durchaus auch einen sozialkritischen bzw. sozialpessimistischen Aspekt unterstellen.
Aber es ist natürlich auch möglich, dass die Figurenzeichnungen aus rein kommerziellen Erwägungen heraus so ausgefallen sind. Da dieser Film zudem von unglaublichen trashigen Momenten und Pathos durchzogen wird, ist eine abschließende Bewertung besonders schwer. Vor allem Sonny Chibas expressives Spiel trägt dazu bei, dass der Zuschauer hier und da schmunzeln muss. Allein die Szene in der einen Apfel isst, vermittelt einem das Gefühl, es würde um sein Leben und nicht um eine simple Nahrungsaufnahme. Nur ein Klaus Kinski hätte wohl noch mehr aus solch einen Moment heraus geholt. Aber Sonny Chiba ist einer dieser Schauspieler, die über eine unglaubliche Leinwandpräsenz verfügen. Da verzeiht man gerne die eine oder andere Schwäche des Filmes.

Daneben können die anderen Schauspieler natürlich kaum bestehen. Ob das nun Masufumi Zuzuki als Masaoka oder Masashi Ishibashi als Shikenbaru als seine Gegner sind. Mit diesen liefert er sich auf jeden Fall zwei der besten Kämpfe des Filmes ab, die zumindest für einen der beiden äußerst schmerzhaft ausgehen. Auf Masashi Ishibashi traf Sonny Chiba übrigens in den nicht ganz so gelungenen ROARING FIRE (Diamantenauge) wieder.

THE STREETFIGHTER ist auf jeden Fall ganz großes japanisches Kampfkunstkino, das man einfach gesehen haben muss. Selbst mehrmaliges anschauen steigert nur das Vergnügen des Filmes. Eine Fortsetzung folgte mit den bereits erwähnten THE RETURN OF THE STREETFIGHTER (der damals sogar als erstes in Deutschland veröffentlicht wurde) und THE STREET FIGHTER LAST REVENGE (der in Deutschland nie erschienen ist). Auch zu der Serie zählt THE SISTER STREETFIGHTER (Der Karate Tiger) die auch noch zwei weitere Fortsetzungen nach sich zog.

Die ersten drei Streetfighter Filme sind bei Optimum Asia zusammen in einer Street Fighter Box in toller Bild- und Tonqualität als DVD erschienen. Hier kann man die Filme im japanischen Original mit englischen Untertiteln genießen. Zu sehen gibt es dazu massig Trailer.

Lars Mierke (15.12.2005)