"Als Jiney, Kunststudentin und Hobbyfotografin, Zeugin eines tödlichen Autounfalls wird, verwandelt sich ihr Schock zunehmend in das morbide Verlangen, Menschen oder Tiere beim Sterben zu sehen. Blut und Tod werden immer stärker zur sexuellen Obsession. Noch während ihre beste Freundin und Liebhaberin Jas (pikanter Weise sind die beiden Darstellerinnen im wahren Leben Schwestern) versucht Jiney von dem entsetzlichen Spleen abzubringen, bekommt die junge Frau ein Snuff-Tape zugeschickt, das ihre Perversion weitere Blüten treiben lässt."(Fantasyfilmfest.com)
Oxide Pang - ein Teil des Geschwister Paares der Pang Brothers (THE EYE) - hat mit AB-NORMAL BEAUTY sein Soloregiedebüt abgeliefert. Der Film ist ein Teil eines gemeinsamen Projektes der beiden Brüder, dessen Idee ein Autounfall ist, der die Geschichte des Filmes ins Rollen bringen soll. Neben AB-NORMAL BEAUTY ist daher noch LEAVE ME ALONE von Danny Pang entstanden.
Positiv ist zunächst anzumerken, dass ein asiatischer Horrorthriller auch mal ohne die obligatorische langhaarige und weiß geschminkte Frau – die natürlich nur Rache üben will – auskommt.
Dass ist dann aber auch schon dass einzig Freundliche, was sich über AB-NORMAL BEAUTY sagen lässt. Denn die Filme der Pang Brothers stehen für Oberflächenkino ohne jegliche Substanz. Und bei AB-NORMAL BEAUTY ist das Ergebnis leider auch nicht anders ausgefallen.
Oxide Pang versteht es nicht, in den ersten zwei Dritteln aus der reizvollen Idee Kapital zu schlagen. Den Moment des Todes mit der Kamera einzufangen, um dabei so etwas wie eine Wahrheit über den Menschen und den Tod heraus zu finden, wird zu Gunsten technischer Spielereien leider total vernachlässigt. Da werden einem Bilder geboten, wie man sie hinlänglich aus Videos oder Werbeclips kennt. Dazu werden die Szenen mit einen Stakkatoschnitt brutal unterbrochen. Und durch die Tonspur wird man noch zusätzlich bedröhnt. Dabei entwickelt sich weder Spannung noch dass die Hauptfigur eine wirkliche nachvollziehbare charakterliche Entwicklung durchmacht.
Oxide Pang hat sich so sehr auf den technischen Aspekt des Filmemachens konzentriert, dass er den Blick für seine Schauspieler vollends verliert. Und so ist Rosanne Wang zwar süß anzusehen, aber ihre Figur bleibt nur an der Oberfläche, da sie von der Regie komplett allein gelassen wird.
Ihre Faszination für den Tod wird im Film zwar behauptet, ist aber niemals wirklich nachvollziehbar.
Bei der Thematik muss man zwangsläufig an David Cronenbergs Meisterwerk CRASH denken, der sich auch um die Faszination die der Tod auf Menschen auslöst drehte. Nur hat es Cronenberg nicht nur verstanden, seine Zuschauer zu schockieren, sondern es ist ihm auch gelungen seine Reise in menschliche und seelische Abgründe mit Emotionen zu spicken. Etwas das Oxide Pang leider nicht ansatzweise gelingt.
Da ist es insbesondere bedauerlich, dass grade bei einen Film über das Sehen sich die Möglichkeit bietet, auch einen Kommentar über das Filmemachen an sich abzugeben. Aber da Pang offensichtlich seiner Geschichte überhaupt nicht vertraut, verkommt der Film lediglich zu einer technischen Nummernrevue. Was nützt es, permanent aufgerissene Augen in Großaufnahme zu zeigen, wenn es nur ein filmischer Gag ist, und der Zuschauer gar nicht auf die Idee kommt, dass er das da oben auch auf der Leinwand sein könnte.
Oxide Pang geht jeder selbstreflektorischer Ansatz komplett ab. Was vielleicht auch daran liegen mag dass er als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Cutter in Personalunion überfordert ist.
Dafür liefert Oxide Pang zwei Filme in einen. Nachdem die Hauptfigur ihr Faible für den Tod überwunden hat folgt noch ein Teil mit einen Serien Killer. In dem Part spielen dann auch noch Snuffvideos eine entscheidende Rolle. Das Blöde ist leider nur, dass das letzte Drittel des Filmes mit den voraus gegangen Geschehnissen nichts mehr zu tun hat. Und eigentlich hat AB-NORMAL BEAUTY seine magere Handlung auch schon nach 60 Minuten zu Ende erzählt. Aber 60 Minuten sind für einen abendfüllenden Kinofilm natürlich viel zu kurz, so dass der Zuschauer sich noch auf eine gehörige Portion Trash und Explotation freuen darf.
Wer nämlich auf leicht bekleidete Mädchen steht, die von einen fiesen Psychopathen gefoltert werden, kommt vollends auf seine Kosten. Da wähnt man sich in Trashfilmen aus den 1970iger Jahren.
Ganz unglaubwürdig dabei ist dann noch, dass die eigentlich labile Heldin, auf einmal so etwas wie Selbstbewusstsein ausstrahlt. Dabei hat der Film sie als eine Frau eingeführt, die bis dahin sehr schnell die Bodenhaftung verlieren kann. Aber man muss nur einen alten Konflikt mit der Mutter aus der Welt räumen und schon ist unsere Heldin ein komplett neuer Mensch.
Das ist im Grunde genommen alles ziemlicher Blödsinn. Dass der Zuschauer nicht gelangweilt dass weite sucht, liegt nur am Bild- und Tongewitter, das Oxide Pang über einen reinbrechen lässt.
Der Film lieft zwar auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest, aber von einer Veröffentlichung in Deutschland ist derzeit nichts bekannt. Wer den Film dennoch sehen will, muss auf Mailorder wie CD WOW zurückgreifen, die den Film recht günstig als HK-DVD mit englischen Untertiteln anbieten.
Lars Mierke (26.10.2005)