"Mit Hilfe eines ganzen Heeres riesiger Monster will sich eine extraterrestrische Rasse der Erde bemächtigen. Die Earth Defense Force (darunter Kane Kosugi – „Muscle Heat“) – eine Spezialeinheit zum Schutze der Menschheit vor monströsen Gefahren – tritt dem Unheil mit hochtechnisiertem Waffenarsenal entgegen. Doch droht der Erde auch Gefahr durch einen gewaltigen Asteroiden, der den blauen Planeten auf direktem Konfrontationskurs ansteuert. Der im ewigen Eis gefangene Godzilla scheint die letzte Hoffnung der Verteidiger. Wiedererweckt und angriffslustiger denn je nimmt die Riesenechse den Kampf auf. In Shanghai kommt es zum Showdown."
(Wicked-Vision.com)
Als Ishiro Honda 1953 GODZILLA – KING OF THE MONSTERS (Godzilla) ins Kino brachte, war natürlich nicht abzusehen, was für ein filmisches Phänomen damit geboren war. Auch heute nach über 50 Jahren ist die Begeisterung für Filme mit Godzilla und Co ungebrochen. Und so verfügen diese Filme über eine ziemlich feste Fangemeinde.
Entstand der erste Godzilla Film noch unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, wurden die durchaus vorhandenen politischen oder ökologischen Themen im Laufe der Zeit immer mehr zurück gedrängt. Spätestens die Godzilla Filme der 1990er und 2000er Jahre präsentierten sich als reinstes Popcorn Kino die kaum noch eine politische Deutung zuließen.
Und so scheint es nur konsequent und richtig, dass die Verantwortlichen für die Realisierung des 28. Godzilla Film Ryuhei Kitamura beauftragt haben. So steht doch sein Name - wie kaum ein anderer japanischer Regisseur - für pures Unterhaltungskino, in dem Coolness und Action alles ist. Die visuelle Bildersprache seiner Filme unterscheidet sich dann auch kaum noch von amerikanischen Produktionen. In Filmen wie VERSUS (Versus – Fürchte Deinen Gegner) oder AZUMI (Azumi – Die furchtlose Kriegerin) ist das Anbiedern gerade an amerikanische Vorbilder besonders stark ausgeprägt.
Nur mit seinem Teil des Duell Projektes ARAGAMI konnte Ryuhei Kitamura erstmalig auch künstlerisch überzeugen.
Keine gute Voraussetzungen für GODZILLA: FINAL WARS könnte man meinen. Und so ist das Ergebnis auch etwas zwiespältig ausgefallen.
Wie nicht anders zu erwarten war, hat Kitamura innerhalb des Godzilla Universums ein Action Gewitter losgelassen, wie es noch kein anderer Regisseur vor ihm gewagt hat. Und somit trägt dieser Godzilla Film ganz eindeutig die Handschrift seines Regisseurs.
Daher darf sich der Zuschauer auch nicht wundern, dass ihm komplett übertriebene Action Szenen geboten werden, die sich in ihrer Ästhetik schon fast peinlich genau an MATRIX inklusive des Bullet-Time Effektes bedienen.
Da kracht und explodiert es auf der Leinwand, der Dolby Sound wummert dazu, als ginge es darum, dem Zuschauer ja nicht zum Nachdenken kommen zu lassen.
Aber trotz des visuellen und akustischen Overkills bleiben dem Betrachter die filmischen Vorbilder, die der Film in 124 Minuten verwurstet, nicht verborgen. Ob es eben MATRIX-mäßige Action ist, oder die Mutanten - die sich mit den außerirdischen Bösewichtern kloppen dürfen – die direkt aus dem
X-MAN-Filmen importiert wurden.
Umso bedauerlicher ist es da schon, das Godzilla selbst schon mal in den Hintergrund gedrängt wird.
Eine Tatsache, die vor allem den Godzilla Fans übel aufstoßen wird. Alle anderen, die mit Gummimonstern eh nichts anfangen können, werden sich zumindest an den modischen Action Sequenzen erfreuen können. Aber bei einem Titel wie GODZILLA:FINAL WARS wird natürlich auch eine entsprechende Erwatungshaltung geweckt, zahlreiche Monster zu sehen zu bekommen. Und diesbezüglich wird man auch nicht enttäuscht.
So hat der aktuelle Godzilla Streifen sage und schreibe 15 (!) Monster zu bieten. So viele wie kein Godzilla Film bisher. Den Rekord hielt bisher DESRTOY ALL MONSTERS (Frankenstein und die Monster aus den All) mit 12 Ungetümen.
Einige der Kreaturen waren auch lange nicht mehr zu sehen. So sah man Angilas zu letzt in dem 1974 entstandenen GODZILLA VS.MECHAGODZILLA (King Kong gegen Godzilla) und Rodan hatte seinen letzten Auftritt 1993 in GODZILLA VS.MECHAGODZILLA II (Godzilla gegen Mechagodzilla 2).
Und nicht nur die Anzahl der Monster ist toll, vor allem sind die Action Szenen mit den Ungetümen ganz großartig ausgefallen. Sie stellen sicherlich das Highlight des Filmes da, denn sie sind rasant gefilmt und geschnitten, so dass man sich daran gar nicht satt sehen kann. Noch nie waren die Kämpfe so cool wie in GODZILLA:FINAL WARS. Ganz klar einer der Pluspunkte des Filmes.
Höhepunkt ist unter anderen ein Kampf mit dem Ami-Godzilla aus dem gleichnamigen Roland Emmerich-Film. Nicht nur dass er in diesem Film Zilla(!) genannt wird, ist er obendrein natürlich auch das einzig digital erzeugte Monster. Und so macht Godzilla Zilla in Australien quasi im Vorbeigehen platt.
Das wirkt zudem auch noch wie ein ziemlich abfälliger Kommentar über den völlig missratenen Godzilla Film vom Schmalhans-Regisseur aus Schwaben.
Es lässt sich nicht leugnen: Gerade die oben beschriebenen Szenen lassen die Kinderherzen der Fans besonders hoch schlagen. Sind diese Momente doch so wunderbar naiv in ihrer Wirkung, die Erinnerungen an die glorreichen Zeiten der klassischen Filme aus den 1960iger und 1970iger Jahren
weckt.
Und so ist Kitamura mit diesem vorläufigen Schlusspunkt tatsächlich auch eine Hommage an die Godzilla Serie gelungen. Vor allem die Fans haben an GODZILLA:FINAL WARS ihre wahre Freude, da es viele Anspielungen auf die alten Filme zu entdecken gibt.
Ob es die Original Musik von Altmeister Akira Ifukube ist, die zu Beginn des Filmes erklingt. Oder aber auch der toll gestaltete Titelvorspann, der aus zahlreichen Ausschnitten aus alten Godzilla Filmen zusammengestellt wurde, lässt keine Wünsche offen.
Auch, dass sich Außerirdische die Erde mit Hilfe von Monstern Untertan machen wollen, kann man als Hommage an die alten Filme durchgehen lassen. Schon in dem 1965 entstandenen GODZILLA VS. MONSTER ZERO (Befehl aus dem Dunkel) erzählte Honda ein ähnliche Geschichte.
Auch das auftauchen des Baby Godzillas löst Erinnerungen an längst vergessene Filme aus. In diesen Fall an den nie in Deutschland veröffentlichten GODZILLAS REVENGE (1969) der allgemein als schlechtester Godzilla Film unter den Gummipuppen-Fans gilt. Alle anderen werden sich beim Auftritt Baby-Godzillas nur wundern und entweder amüsiert sein oder verwundert den Kopf schütteln. An ihnen gehen all die beschriebenen Anspielungen leider vorbei.
Aber nicht nur das auftauchen vom Baby Godzilla lässt erahnen wie trashig, wenn nicht sogar wie albern der Film in weiten Teilen ausgefallen ist.
Kitamura und sein Drehbuchautor Isao Kiriyama (Drehbuchautor von AZUMI) haben den Darstellern haarsträubende Dialoge in den Mund gelegt, die für viele Heiterkeitsausbrüche sorgen. Den größten Anteil hat daran der Amerikaner Don Frye, der als Kapitän der Gotan sein Schauspielerdebüt absolviert und im früheren Leben ein Martial Arts Sportler war. Der Mann darf sogar in seiner Heimatsprache sprechen, und hat zudem die coolsten Szenen und Lacher auf seiner Seite.
Unabhängig davon ist auch ein Blick auf die Besetzung besonders interessant. So greift Kitamura auch auf Schauspieler zurück, die bereits zahlreiche Erfahrungen mit Godzilla und anderen Monstern gesammelt haben. So etwa ist Akira Takarada als Uno Generalsekretär zu sehen, der schon im Original Godzilla von 1953 eine Hauptrolle hatte. Auch später sah man ihn in Filmen wie dem großartigen GODZILLA VERSUS THE SEA MONSTER (Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer) oder GODZILLA AND MOTHRA:THE BATTLE FOR EARTH (Godzilla-Kampf der Sauriermutanten) aus dem Jahre 1992.
Auch der kurze Auftritt der Kosmos Zwillinge, dargestellt von Masami Nagasawa und Chihiro Otsuka, waren in dieser Rolle schon in GODZILLA:TOKYO SOS (in Deutschland nicht veröffentlicht) zu sehen.
Oder Kenji Sahara als Paläontologe, der auch erstmalig in Ishiro Honda´s GODZILLA zu sehen war.
Die Liste ließe sich noch endlos fort setzen, wird aber auch nur wahre Fans in Verzückung bringen.
Kitamura hat den Versuch unternommen mit GODZILLA:FINAL WARS sowohl die Godzilla Fans als auch Action Fans anzusprechen. Dass sollte man ihm hoch anrechen, leider ist dieser Versuch in seinem Ergebnis nicht immer gelungen. Überhaupt scheint es die größte Schwäche des Filmes zu sein, dass er alles auf einmal sein will.
Unabhängig davon ob man sich für diese Art Filme interessiert, sollte man den Film gesehen haben. Wer bei den Aufführungen während des Fantasy Filmfestes dabei war, wird mit Sicherheit ein unvergessliches Kinoerlebnis erlebt haben. Man muss den Film wohl als das sehen was er ist: Teilweise höchst sinnentleerter aber sehr unterhaltsamer Big Budget Trash.
Im November diesen Jahres wird der Film in Deutschland durch die Firma Splendid auf DVD veröffentlicht.
Lars Mierke (13.10.2005)