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Bittersweet Life, A
Südkorea/USA, 2005, 120 min

Regie: Ji-Woon Kim
mit Byung-hun Lee, Yeong-Cheol Kim, Min-a Shin

"A BITTERSWEET LIFE, diese grausame Mär über einen schwarzen Engel (in bestem Melville’schen Sinne), der von der Gnade abfällt und vom loyalen Henchman zum gepeinigten Rächer wird, ist sein bisheriges Meisterwerk, eine bei aller dargebotenen Gewalt wunderschön anzusehende (aber nicht verklärende) Augenweide: so kühl, so präzise, so anmutig, so attraktiv wie sein Held Seon-woo (Lee Byung-hun aus JOINT SECURITY AREA) in den ersten Bildern des Films, wenn er im Dior-Anzug den Alain Delon gibt und bei einer Razzia im Auftrag seines Bosses Kong in einem Hotel beachtliche Martial-Arts-Künste an den Tag legt." (Fantasy Filmfest)

Die Filme Südkoreas haben eine seltsame Entwicklung genommen. In der Regel werden dem geneigten Zuschauer hervorragende Production Values geboten. Technisch ist zumeist alles auf höchstem Niveau, aber inhaltlich wird die Masse der Filme immer konventioneller. Es werden zumeist ausgetretene Pfade begangen, was alles doch sehr an Hollywood erinnert. Zumindest ist ein Großteil des filmischen Outputs dem Genrecinema zugehörig und im Bereich Drama und Action wird alles gegeben, was viele der Filme trotz inhaltlicher Belanglosigkeit noch gerade erträglich macht.

Genau aus diesem Setzkastensystem entstammt auch A BITTERSWEET LIFE. Ganz vorzüglich ist die Bildgestaltung, die Actionsequenzen sind wahnwitzig, die Darsteller brauchbar bis gut und Schnitt und Musik verleihen dem Streifen viel Dynamik. Aber dieses Drehbuch! Man kann es nur als mittelschwere Frechheit bezeichnen. Ist der Grundplot des sich in die Frau des Mafiabosses verliebten loyalen Assistenten vielleicht auch nicht neu, so hätte ein interessanter Film zur Frage Loyalität, Individualität und Liebe herauskommen können. Leider treibt das Buch den Protagonisten von einem ausweglosen Dilemma ins nächste. Wobei sich unser Held jedoch aus allen Situationen fast spielerisch befreien kann. Immer dann, wenn eigentlich nichts mehr geht, entwickelt er fast superheldische Kräfte und alles wird gut. Besonders lachhaft wird es, wenn er nach nur knapp überlebter Folter lebendig begraben wird und sich nach erfolgter Selbstausgrabung (!) gegen ca. 30 bewaffnete Gegner nur mit seinen Fäusten zur Wehr setzt und allen eine gehörige Tracht Prügel zukommen lässt. So hübsch choreographiert wurde man im Kino selten verarscht.

Nun gut, bei den stilbildenden frühen John-Woo-Filmen hatten automatische Pistolen zumeist auch ca. 370 Schuss Munition. Hatten diese Filme jedoch den Nimbus des märchenhaften. Nie wurde Realismus vorgegaukelt. Ähnlich bei übersteigerten Genrestreifen aus Japan oder denen der frühen Renaissance des südkoreanischen Kinos. Ironisches Augenzwinkern war an der Tagesordnung. A BITTERSWEET LIFE jedoch nimmt sich "bitter" ernst und.... scheitert mit Pauken und Trompeten. All die guten Ansätze, die saubere Charakterzeichnung des Anfangs, die tollen Momente, die psychologische Kameraführung, der sich ordentlich entwickelnde Konflikt verpufft angesichts immer wahnwitzigerer Szenen, die selbstzweckhaft aufgebaut sind und jegliche Identifikation mit den Handelnden zerstören. Alles gipfelt in einem Kopfschuss, den der Held Seon-Woo erhält und der dann plötzlich wieder aufsteht und weiterkämpft. Unnötig wie ein Kropf!

So bleibt ein Film voller beeindruckender Bilder und toller Shoot-Outs, der auf der inhaltlichen Ebene leider komplett scheitert.

In Korea ist eine DVD erschienen, mit allem, was das Herz begehrt. Andere Veröffentlichungen werden mit Sicherheit folgen.

Mirco Hölling (20.09.2005)

Splendid Entertainment hat sich des Films angenommen und bringt eine 2-Disc Director´s Cut Version auf den Markt. Veröffentlichungstermine sind für die Leih-DVD der 10.08.2006 und für die Kauf-DVD der 25.08.2006. Frank Aichlseder (29.06.2006)