die website für den asiatischen film

 

Kaal
Indien, 2005, 126 min

Regie: Soham Shah
mit Shahrukh Khan, Esha Deol, Lara Dutta, Vivek Oberoi, Kali Pratap Singh

"Bollywood ist heiß, Bollywood macht Spaß! Nun darf man natürlich nicht zu viel Horror von einem hinduistisch geprägten Land erwarten, KAAL repräsentiert hier einen zaghaften Anfang. Noch tut man sich schwer mit dem Bodycount in der als Geisterabenteuer angekündigten Story, bei dem Tiger eine besonders Furcht erregende Rolle spielen sollen. Auch wenn als warm-up erstmal eine überfahrene Katze und ein zerquetschter Hase für ordentlich Aufregung sorgen. Jedoch – nach der "Intermission" wird der perfekt schöne Cast, dessen lupenreine Outfits (Camouflage-BH und Ledermini inklusive) selbst nach tagelangem Herumirren im Dschungel tadellos sind, in geradezu splattriger Manier dezimiert…" (Fantasy Filmfest)

Bollywood goes Horrorfilm. Viel gibt es über diese Melange nicht zu sagen, außer, dass der Film inhaltlich wie formal schlichtweg eine Katastrophe ist. Allerdings eine Katastrophe, die viel Spaß bereitet, wenn man ein paar Bier im Schädel hat und den Film in netter Gesellschaft guckt.

Alles beginnt mit einer von Farah Khan (MAIN HOON NA) choreographierten Song&Dancenummer, in der sich auch der Produzent Shahrukh Khan die Ehre gibt. Diese (übrigens einzige) Tanznummer ist großartig, wild und dynamisch und ... das beste am Film. Danach setzt die von dieser Tanznummer losgelöste Handlung und Khan und Begeisterung sind verschwunden. Indische Knallchargen der jüngsten Generation, alle cool und in schicken H&M-Klamotten irren aus nicht weiter erläuterten Gründen durch den Dschungel und treffen auf Tiger (die ihre menschlichen Pendants von der Leinwandpräsenz her komplett an die Wand spielen), Geister und viel anderen Hokuspokus.

Der Film ist derart naiv, dass einem das Bier im Halse stecken bleibt. Zwei Szenen seien exemplarisch genauer beschrieben: Einer der Hauptdarsteller steht im Dschungel, die Kamera ist nah an seinem Gesicht dran, von links schiebt sich - von ihm scheinbar unbemerkt - eine Hand ins Bild, die ihn wohl greifen will. Nach quälenden Sekunden, in denen man den armen Protagonisten vor der dräuenden Gefahr warnen will, zeiht die Kamera auf und man erkennt: Es ist die Hand das Darstellers, der sich dann auch schnurstracks mit eben dieser den Schweiß aus dem Gesicht wischt. Wer sich bislang über effekthascherische Katzen, die aus Schränken springen, geärgert hat, bekommt hier wirklich was geboten. Bemerkenswert auch die Szene, in der eine wackelige Hängebrücke kurz vor dem Zusammenbruch steht und unsere Helden mit ihrem Jeep eben diese ganz behutsam überqueren wollen. Um die Aktion möglichst erfolgreich zu gestalten, steigen vor der Überquerung alle 7 (!) Personen auf den Jeep, und überqueren die fragile Brücke im Schneckentempo. Nee, klar. Noch Fragen??

Solche Szenen bietet KAAL zu Hauf. Als Film ist er schlichtweg eine Katastrophe und trotzdem ist er lupenreiner Trash, den man auch und gerade wegen seiner Kürze von 126 min mit einigem Spaß goutieren kann.

Also, Kiste Bier und ein paar Kumpels schnappen und dem Tigergeist bei der Arbeit zuschauen.

REM hat angekündigt, den Film ab September 2005 in Deutschland auf DVD herauszubringen.

Mirco Hölling (20.09.2005)