"Die Bewohner des lieblichen Planeten Illucia werden von einem schweinischen Tyrannen beherrscht.
Deswegen verstreuen sie acht "wundersame leuchtende Nüsse" im All, die ihnen Hilfe von außerhalb bringen sollen. Die Nüsse geraten in die Hände eines bunt gemischten Teams von Abenteuern, die sich nach Illuca aufmachen, den Tyrannen eine aufs Maul zu geben und deren Supercomputer zu vernichten. Das hilft zwar nicht viel (immerhin geht daraufhin der Planet Illucia kaputt), aber die geknechteten Bewohner dieser Welt sind nun frei und machen sich in segelschiffähnlichen Raumschiffen auf, um sich irgendwo im All eine neue Heimat zu suchen."
(Lexikon des Science-Fiction-Films)
Nach dem enormen Erfolg von George Lucas STAR WARS (Krieg der Sterne) waren die Nachahmer natürlich schnell bei der Stelle, um vom großen Erfolg der Lucaschen Weltraumoper zu profitieren. Dabei verwundert es jedoch nicht, dass die zahlreichen Epigonen nicht an das Vorbild heranreichten. Aber immerhin entstanden so unterhaltsame Trashperlen wie STAR CRASH (Star Crash - Sterne im Duell) von Luigi Cozzi oder THE HUMANOID (Kampf um die 5.Galaxis) von Aldo Lado.
Allesamt italienische Filme, deren Filmindustrie es immer wieder verstand, erfolgsversprechende Formeln so lange auszuquetschen, bis auch der letzte Zuschauer davon nichts mehr im Kino sehen wollte.
Aber auch das japanische Kino war sich nicht zu schade, eine filmische Antwort auf STAR WARS zu geben. Neben WAR OF THE PLANETS (Der große Krieg der Planenten) von Jun Fukuda ist vor allem MESSAGE FROM SPACE: GALACTIC WARS (Sternenkrieg im Weltraum) hervorzuheben. Und dieser stammt von keinem Geringeren als Kinji Fukasaku, den man eher mit seinen kompromisslosen Yakuza Streifen in Verbindung bringt. Und Fukasakus Sternenabenteuer ist ein völlig überkandideltes, wildes und überzogenes Science-Fiction Spektakel geworden, dass streckenweise wie eine Satire auf STAR WARS wirkt.
Im Grunde genommen aber haben Kinji Fukasaku und seine drei (!) Drehbuchautoren - Hiroo Matsuda (ZERO WOMAN : RED HANCUFFS), Shotaro Ishinomori (Comic Autor) und Masahiro Noda - die wesentlichen Handlungsmerkmale von George Lucas übernommen:
Da gibt es zwei junge Helden, die ähnlich wie Luke und Han Solo der guten Sachen zunächst nicht dienen möchten, die aber letztendlich im Kampf gegen ein böses Imperium dabei sind.
Dann gibt es da ebenso eine holde junge Prinzessin, die genau wie Prinzessin Leia in einem weißen Kostüm daher kommt. Und die Prinzessin wird genau wie im Vorbild entführt und muss daher natürlich befreit werden. Dann gibt es da noch einen lustigen Roboter, der R2D2 und C3PO ersetzt.
Der Herr des Androiden ist ein General A.D., der vom Kämpfen genug hat, und noch einmal in den Krieg zieht. Das erinnert natürlich stark an einen gewissen Obi Wan Kenobi.
Und es muss sogar ein Computer im inneren eines Planeten zerstört werden, damit den Bösen der Garaus gemacht werden kann. Das erinnert natürlich auch stark an den Schlusskampf um den Todesstern in STAR WARS.
Die Parallelen sind also mehr als verblüffend. Aber in MESSAGE FROM SPACE: GALACTIC WARS ist alles viel überzeichneter, greller, bunter, lauter als beim klassisch erzählten STAR WARS. So ist
Kinji Fukasakus Film nicht wirklich vergleichbar mit Lucas Blockbuster. Und in dem ganzen Trubel ist natürlich keine Zeit für leise Zwischentöne. Da wird eigentlich permanent gequasselt, geflogen, gekämpft oder aber Explosionen erschüttern die Kinoleinwand.
Das ist zugegebenermaßen nie langweilig, manchmal sogar ganz unterhaltsam, aber man fragt sich doch inwieweit das ganze wirklich ernst gemeint ist.
Dieser Eindruck wird schon am Anfang erweckt, wenn die Nüsse in den Weltenraum verschickt werden. Ist der Zuschauer da noch ungläubig über das was da auf der Kinoleinwand passiert, wird später der Verwirrung fröhlicher Heiterkeit weichen. Denn wenn die Hauptfiguren Sätze sagen müssen wie :"Wo ist meine Nuss!" oder "Guck mal meine Nuss leuchtet" wähnt man sich eher in einer Persiflage von Monthy Python als in einem halbwegs ernst gemeinten Science-Fiction Film.
Dem gegenüber stehen die wilden und durchgeknallten Action Szenen. Hier läuft Kinji Fukasaku zur absoluter Höchstform auf. Diese Sequenzen sind sehr dynamisch gefilmt, was durch den Einsatz der Handkamera noch unterstützt wird. Dadurch ist man als Zuschauer mitten im Geschehen und hier vermag einen der Film wirklich zu packen.
In diesen Momenten ist MESSAGE FROM SPACE: GALACTIC WARS auch nicht mehr so weit von den Fukasakus Yakuza-Filmen entfernt.
Die Ähnlichkeit rührt natürlich auch daher, dass für die Fotografie Toru Nakajima zuständig war, der häufiger Kameramann für Kinji Fukasaku war. So rückte er Filme wie YAKUZA GRAVEYARD oder THE DOBERMAN COP ins rechte Licht. In den actionbetonten Sequenzen ist ganz klar die Handschrift des Regisseurs zu erkennen.
Selbst anhand der Darstellerriege, die zum Overacting und expressiven Gesten neigt, lässt sich der Fukasaku Stil erkennen. Auch in seinen besten Filmen ist er kein Regisseur der auf leise Töne setzt.
So sind seine Werke zumeist wütende Anklagen, die sich durch eine Rauheit und Zorn auszeichnen, die diese Filme auch so mitreißend machen. Jedoch: auch wenn der Sternenkrieg im Weltraum durchaus seine Momente hat, ist der Film natürlich kein Meisterwerk wie zum Beispiel THE FLAG UNDER THE RISING SUN.
Denn wenn man die Bösewichter in ihren Weltraum-Samurai-Kostümen begutachtet, ist man eher amüsiert als emotional gefangen. Auch köstlich ist der Auftritt einer Hexe, die ebenfalls durch die Bösewichter entführt wird. Die Tyrannen schließen sich an die Gedanken der Hexe an, und somit werden diese auf einem Monitor visualisiert.
Zu sehen sind Naturaufnahmen und traumhaft schöne Sonnenuntergänge die der Hexe Tränen in die Augen treiben. Und mit einen zufriedenen Lächeln auf Ihren Gesicht – ganz so als ob Sie Ihren Frieden mit sich selbst gemacht hat – stirbt sie dann. Das sind Momente, bei dem der Zuschauer nicht weiß, ob er Lachen oder weinen soll (zumal, wenn er sich an die offenkundige Vorlage dieser Sequenz in SOYLENT GREEN (Jahr 2022... die überleben wollen) mit Edward G. Robinson erinnert).
Es gibt noch unzählige solcher Momente... von der pathetischen Musik von Ken-Ichiro Morioka, den typischen und billig aussehenden Spezialeffekten und manch einem schlechten Schauspieler, deren Crew sich aus amerikanischen und japanischen Darstellern zusammensetzt. Positiv hervorzuheben ist der kurze und prägnante Gastauftritt von Sonny Chiba (KILL BILL VOL.1), der mit Fukasaku des öfteren gearbeitet hat. Zusammen haben Sie zum Beispiel den nicht ganz so tollen THE LEGEND OF THE EIGHT SAMURAI oder den halbwegs spannenden Weltuntergangs Thriller VIRUS (Overkill – Durch die Hölle zur Ewigkeit) gemacht.
Erwähnenswert aus der Darstellerriege ist noch Vic Morrow als General Garuda, der in seinen letzten aktiven Jahren in zahlreichen Trash Filmen wie HUMANOIDS FROM THE DEEP (Das Grauen aus der Tiefe) oder 1990: THE BRONX WARRIORS (The Riffs – Die Gewalt sind wir) zu sehen war. Vic Morrow (der übrigens der Vater von Jennifer Jason Leigh ist) spielt seinen General als einen echten alten Haudegen, der schon viele Schlachten geschlagen hat. Das Morrow in dieser Rolle noch halbwegs eine gute Figur macht, mag auch vielleicht daran liegen, dass er auf seine Erfahrungen als Jugendlicher in der U.S.Navy zurückgreifen konnte!?!
Auf jeden Fall noch mal ein Dankeschön an das 3001 Kino in Hamburg für die Aufführung dieses Filmes. Für die, die keine Chance hatten den Film in Kino sehen zu können, sei das vor langer Zeit bei UFA Video herausgebrachte VHS-Tape ans Herz gelegt.
Lars Mierke (11.07.2005)