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Avalon
Japan, 2001, 106 min

Regie: Mamoru Oshii
mit Malgorzata Foremniak, Wladyslaw Kowalski, Jerzy Gudejko, Dariusz Biskupski, Bartek Swiderski, Katarzyna Bargielowska, Alicja Sapryk

AVALON ist der japanische Versuch, der MATRIX-Thematik etwas Neues abzugewinnen. Schon vor MATRIXund erst recht danach schossen Filme mit Cyber- und Bewusstseinsebenen wie Pilze aus dem Boden (z.B. DARK CITY, THE 13TH FLOOR, letztlich aber auch FIGHT CLUB oder SIXTH SENSE). Alle Filme dieser Welle legten ihr Schwergewicht jedoch auf den Entertainmentcharakter und weniger auf philosophische Fragen des Lebens oder des Seins. AVALON nun unternimmt den löblichen Versuch, die Thematik von der eher philosophischen, fast schon religiösen Seite zu betrachten.

"Avalon" ist ein Battle-Simulation-Computerspiel höchster Güte. Die gesamte Gesellschaft ist auf dieses Spiel ausgerichtet. Die Meister des Spiels haben eine gute Stellung innerhalb der verarmten Gesellschaft und ein geregeltes Einkommen. Die junge Ash ist eine dieser Meisterinnen. Als sie von ehemaligen Mitstreitern eines ihrer früheren Teams erfährt, dass es eine weitere, versteckte Ebene des Spiels gibt, setzt sie alles daran, diese Ebene zu erlangen.....

Kommentar

AVALON ist alles andere als ein Actionfilm. Es ist tatsächlich ein ernsthafter Versuch, sich der Cyberthematik zu nähern. Diese Versuch wird allerdings nur absolute Anhänger und komplette Gegner des Streifens hervorbringen, je nachdem wie man der ganzen Thematik insgesamt zugetan ist. Um nun mal ganz subjektiv zu werden: Ich fand "Avalon" komplett misslungen und stinklangweilig. Allerdings ist mir bewusst, dass eine nicht geringe Anzahl von Konsumenten den Film nicht nur gut findet, sondern bewundert.

AVALON ist eine japanisch/polnische Co-Produktion, ist in Polen gedreht, mit renommierten polnischen Darstellen (einige Ex-Kieslowski-Mimen) und bedient sich einer düsteren, unaufgeregten Bildsprache. Alles ist in Grautönen gehalten, nicht richtig schwarz/weiß, aber fast. Man meint schon fast, sich in einem Tarkowskij-Film zu befinden. Die (virtuellen) Actionsequenzen sind nicht spannend, sondern ganz nüchtern abgefilmt und eher bedrückend als beeindruckend. Technisch ist der Film ganz hervorragend positioniert. Die Schauspieler dagegen sind gefangen in einem engen Konzept, dass ihnen keinerlei Spielraum lässt. Identifikation will sich nie einstellen und man bleibt seltsam unbeteiligt, so als seien die Handelnden auf der Leinwand selber nur Figuren eines Computerspiels.

Erst im Finale hellt sich der Bildschirm auf, man bekommt satte Farben serviert und es kommen die ersten menschlich anmutenden Dialoge des Films über die Lippen der Protagonisten. Da war es für mich nur schon zu spät, um noch in den Film einzutauchen. Mamoru Oshii, der im Bereich der Animation seine Meriten hat (Regie von GHOST IN THE SHELL, Drehbuch von JIN-ROH und kurioserweise Einstieg 1980 als Animateur bei Nils Holgersson (die Älteren werden sich erinnern)), versucht in AVALON einen religiösen Bezug zum Thema Cyber, Computerspiele u.ä. zu erschaffen. Die Faszination, die von dieser Thematik ausgeht, ist kein Geheimnis und dass deren Anhänger einen quasi-religiösen Bezug zu ihren Games, ihren Phantasien und ihren Geräten haben, ebenso wenig. Problematisch ist: Wer nicht der Play-Station-Generation angehört, kann mit dieser Herangehensweise an ein rein technisches Thema ziemlich wenig anfangen. Ganz unerträglich wird´s dann im Finale, wenn die Bombast-Musik des ansonsten hervorragenden Kenji Kawai (RING, CHAOS, GHOST IN THE SHELL) in einem Oratorium mündet, welches musikalisch ziemlich flach ist und durch quasi-religiösen Kitsch ("Avalon") wieder deutlich an die Computer- und Rollenspieler gerichtet ist. Da ich schon sehr viele positive Rückmeldungen und Kritiken zu dem Film vernommen habe, scheint mir die Herangehensweise tatsächlich das Entscheidende für diesen Film zu sein. Computer- und Cyberfans sollten nicht zögern, Normalsterbliche sollten sich jedoch auf zwei lange Stunden mit verquasten Dialogen einstellen. Ich persönlich halte übrigens immer noch Fassbinders Fernseh-Zweiteiler WELT AM DRAHT für den besten Versuch über Cyber (und das aus den 70ern). AVALON gibt es als HK-DVD für ca. 20 Euro in Polnisch (5.1-Ton) mit englischen Untertiteln. Derzeit soll es aufgrund der großen Nachfrage jedoch Lieferschwierigkeiten geben. Alternativ sollte man demnächst die Tagespresse verfolgen, weil "Avalon" tatsächlich einen kleinen Kinostart in Deutschland erleben wird.

(Mirco Hölling, 03.09.2002)