"Ein Forscherteam und ein Unternehmer aus Hongkong finden auf einer exotischen Insel eine weiße Frau - Überlebende eines Flugzeugabsturzes - , die von einen Riesenaffen beschützt wird. Zurück in Hongkong, mit dem Affen und der Blondine als Attraktion im Schlepptau, verspricht sich der Unternehmer ein großes Geschäft. Als er sich aber in die Frau verliebt und die seine Nachstellungen keine Bedeutung schenkt, entführt er sie und wird von dem Affen durch ganz Hongkong gejagt. Auf dem Dach eines Wolkenkratzers kommt es zu letzten Auseinandersetzung, die der Affe nicht überlebt."
(Eastern Lexikon)
Die Shaw Brothers Studios produzierten Filme in allen nur erdenklichen Genres. Neben Martial Arts-Streifen gab es auch Musicals, Komödien, Dramen und Horrorfilme. Und die Verantwortlichen waren sich auch nicht zu schade, erfolgreiche Stoffe anderer Filmschaffender aufzugreifen und eigene Filme daraus zu machen. Selbst Anspruchsvolles wie der oscarprämierte MIDNIGHT COWBOY (Asphalt Cowboy) erhielt unter dem reißerischen Titel SEX FOR SALE ein Remake.
Doch THE MIGTHY PEKING MAN (Der Koloss von Konga) ist sogar das Remake eines Remakes.
1976 brachte Erfolgsproduzent Dino De Laurentiis mit einem riesigen Werbeaufwand seine King
Kong-Neuverfilmung - unter der Regie von John Guilerman - in die Kinos und landete an der Kasse einen Totalflop. Auch die Kritiker zeigten sich enttäuscht und zerrissen den Film in der Luft.
Bis heute bleibt natürlich das Original von Merian C.Cooper und Ernst B.Schoedsack mit seinen
fantastischen Stop-Motions-Tricks von Willis H. O´Brien unerreicht. Und es bleibt abzuwarten was ein Gewisser Peter Jackson mit seiner Neuauflage zustande bringen wird.
Aber zurück zu THE MIGTHY PEKING MAN.
Trotz des Flops des amerikanischen Filmes brachten die Shaw Brothers ihre eigene King Kong Variante in die Kinos, die sich lose an der von Edgar Wallace erdachten Geschichte orientiert. Und dem Studio - und damit natürlich auch seinem Regisseur - gelang etwas Unerwartetes:
Der Film von Ho Meng-Hwa fällt deutlich besser aus, als der für damalige Verhältnisse aufwendig
produzierte amerikanische Film.
Nicht, dass es sich bei THE MIGTHY PEKING MAN um einen wirklich guten Film handeln würde. Nein,
dieser Film ist unterhaltsamer Trash, der aber in 86 Minuten mehr zu bieten hat, als zehn andere Filme zusammen. Es kommt nie Langeweile auf, da permanent etwas auf dem heimischen Bildschirm passiert.
So ist denn auch das als Ah Wang benannte Monster bereits nach 5 Minuten zu sehen. In KING KONG dauert es eine geschlagenen Stunde bevor dieser auftaucht.
Ho Meng-Hwa legt ein erstaunlich flottes Tempo mit seinem Film vor. Nach einer halben Stunde gibt es
schon ein Erdbeben (natürlich ausgelöst durch den Koloss von Konga), einen Angriff wild gewordener Elefanten und der Kampf mit einem Tiger. Letzteres gipfelt darin, dass einem Inder das Bein abgebissen wird. Nach dem blutigsten Moment des Filmes trifft Johnny Fang (Danny Lee) nicht nur auf den Migthy Man, sondern auf die eigentliche Attraktion des Filmes:
Er begegnet Ah Weih, einem weiblichen Tarzan, die vom tschechischen Fotomodell Evelyne Kraft gespielt wird. Kraft in ihrem knappen und daher körperbetonten Dschungeloutfit ist vor allem für das männliche Publikum ein echter Hingucker. Dieser Teil der Zuschauer wird sich auch darüber freuen, dass Frau Kraft ihr Kostüm während des ganzen Filmes nicht mehr wechseln wird.
Selbst als Johnny ihr ein modernes Kleidungsstück schenkt (welches auch sehr sexy aussieht), ist es ihr zu eng und sie bleibt ihrem Dschungelkostüm treu und rennt damit sogar durch die Straßen von Hongkong.
Dass die beiden sich in einander verlieben ist natürlich vollkommen klar. In einer der lustigsten Szenen zeigt sich Ah Weih vom Küssen auch schnell begeistert. Der Gesichtsausdruck, den sie dabei von sich gibt, ist echt köstlich. Und Johnny ist froh, wieder eine Frau fürs Leben gefunden zu haben. Denn zum Beginn des Filmes trinkt er noch vor Kummer, da er seinen Bruder(!) mit seiner Freundin (Hsiao Yao) zusammen im Bett erwischt hat.
Und so ist es natürlich unvermeidlich, dass man sich - zurück in Hongkong - wieder begegnet. Und als Huang Tsui-hua sich bei Johnny entschuldigt, und es zu einem unvermeidlichen Kuss führt, stößt Ah Weih unglücklicher weise natürlich dazu. Und da der weibliche Tarzan nicht nur die Liebe kennen gelernt hat, verspürt sie natürlich so etwas wie Eifersucht und läuft davon.
Das alles hat schon Rosamunde Pilcher Charakter und ist natürlich auch schauspielerisch nicht besonders überzeugend dargestellt.
Die Geschehnisse um den Koloss geraten dabei schon mal in den Hintergrund. Zum Glück aber nur für eine kurze Zeit, denn die zwischenmenschlichen Dramen werden im Eiltempo abgespult.
Nicht zu vergessen ist dabei natürlich auch, dass der Koloss auch in Ah Weih verliebt ist, und man daher von einer Menage a quatre sprechen kann.
Eine weitere unglaubliche Szene gibt es, wenn Ah Weih sich von ihren tierischen Freunden aus dem Dschungel verabschiedet. Die Tiere sind wirklich traurig und der Höhepunkt der Verabschiedung ist ein weinender(!) Elefant. Da weiß auch der letzte Zuschauer, in was für einen Film er geraten ist. Evelyne Kraft war übrigens nur noch in einer einzigen Hongkong Produktion zu sehen. Und zwar in dem von den Drei Engel für Charlie inspirierten DEADLY ANGELS (Die Todesengel des Kung Fu). Ansonsten war Sie vor allem in deutschen Filmen zu sehen, die so tolle Titel haben wie LADY DRACULA.
Danny Lee als Star diese Filmes ist eigentlich nur zu bedauern. Denn THE MIGHTY PEKING MAN ist natürlich kein Film, in dem mal als Darsteller schauspielerische Glanzlichter setzen kann. Und so chargiert er sich wie alle anderen Schauspieler auch durch die Laufzeit.
Aber als Vertragsschauspieler der Shaw Brothers musste er in den ihm angebotenen Filme zwangsläufig mitspielen. So kamen weitere wunderschöne Trashperlen wie THE SUPRA INFERMAN (Invasion aus dem inneren der Erde) oder der unglaubliche OILY MANIAC in dem er ein Ölmonster spielen darf, zu Stande. Erst später konnte er seine schauspielerischen Qualitäten in Filme wie THE KILLER (Blast Killer) von John Woo unter Beweis stellen.
Aber nicht nur Danny Lee ging es so wie oben beschrieben. Auch Regisseure, Kameraleute und natürlich auch alle anderen Schauspieler waren durch Verträge fest an das Studio gebunden. In THE MIGHTY PEKING MAN sind davon noch Hsia Yao als Exfreundin von Danny und der 1930 geborene Ku Feng als skrupelloser Unternehmer zu sehen.
Ku Feng gehörte den Studios seit 1965 an und spielte in über 100 Filmen mit. Er arbeitet daher mit jedem bekannten Regisseur zusammen und war in Filmen wie THE ONE-ARMED SWORDSMAN von Chang Cheh oder THE FLYING GUILLOTINE von Meng-Hwa Ho zu sehen.
In THE MIGTHY PEKING MAN glänzt er mit expressiven Stil und stellt seine Figur als echtes Arschloch da. Das gipfelt vor allem in der Sequenz, wenn er Evelyne Kraft vergewaltigen will. Aber zum Glück ist das ja der Peking Mann, der ihm einen Strich durch die Rechnung macht.
Hsia Yao gehörte im Gegensatz zu Ku Feng nur einer kurzen Zeit den Shaw Brothers an. Zu sehen war sie noch neben Ti Lung in THE EMPRESS DOWAGER.
Der Regisseur Ho Meng-hwa war zur Entestehungszeit dieses Filmes schon ein alter Hase im Filmgeschäft. Sein Regiedebüt lieferte er bereits 1958 mit AN APPORTMENT AFTER DARK ab. Er machte Filme in allen nur erdenklichen Genres. Zu seinen größten Erfolgen in Hongkong gehören SUSANNA oder JOURNEY TO THE WEST:THE MONKEY GOES WEST, die nicht bei uns erschienen sind.
Bei THE MIGTHY PEKING MAN beweist er sein Talent dafür, einen komplette blödsinnige und schwachsinnige Handlung flott und unterhaltsam zu inszenieren. Denn eines kann man den Film ganz bestimmt nicht vorwerfen: Langeweile!
Auch versteht er es die an Originalschauplätzen entstandene Szenen mit Studioaufnahmen und wunderschönen Modelltricks miteinander zu verbinden.
Überhaupt sind die Spezialeffekte denen japanischer Science-Fiction oder Monsterfilmen nicht unähnlich. Und so stapft auch hier ein Mann in Affenkostüm durch Spielzeuglandschaften und darf auch einen Teil von Hong Kong zu Klump hauen.
Da ist auch nicht weiter überraschend, dass japanische Trickspezialisten für die Effekte verantwortlich sind. Die Trickaufnahmen wurden durch Teisho Arikawa (RODAN – THE FLYING MONSTER / Die fliegenden Monster von Osaka) oder Koichi Kawakita (CATASTROPHE 1999 – THE PROPHECIS OF NOSTEDRAMUS / Weltkatastrophe 1999 – Die Prophezeiung des Nostradamus) überwacht, die in unzähligen japanischen Filmen ihr Können unter Beweis gestellt haben.
Die Miniaturaufnahmen des Dschungels und auch von Hongkong sehen aus heutiger Sicht zwar sehr putzig aus, aber man darf nicht vergessen das selbst noch in James Bond Filmen der 1970iger Jahre Modeltricks verwendet wurden. Das war lange vor den unsäglichen CGI Effekten die manche Filme eher wie Computerspiele aussehen lassen.
Und selbst im damaligen amerikanischen Pendant wählte man das gleiche Verfahren. Dort steckte sogar der später mehrfach Oscar prämierte Maskenbildner Rick Baker (AMERICAN WERWOLF) im King Kong Kostüm.
Wer also Lust auf kurzweiligen und unterhaltsamen Trash und zudem ein Herz für Explotation hat, der ist bei THE MIGTHY PEKING MAN gut aufgehoben.
Grundlage dieser Rezension ist die in gewohnter guter Qualität erschiene DVD von Celestial Pictures.
Nennenswerte Extras sind hier leider nicht enthalten. Aber die obligatorische Fotogalerie, Bio- und Filmgraphien und der neu gemachte Trailer zum Film und zu drei anderen Werken sind natürlich wie immer vorhanden.
Lars Mierke (09.06.2005)