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Maboroshi
Japan, 1995, 110 min

Regie: Hirokazu Kore-Eda
mit Tadanobu Asano, Makiko Esumi, Takashi Naitô, Gohki Kashiyama, Naomi Watanabe

"Ein glückliches junges Paar. Heiter und ausgelassen in Tokio. Plötzlich und ohne ersichtlichen Grund bringt er sich um. Sie verfällt in unglauliche Trauer. Irgendwann zieht sie mit ihren Kindern aufs Land, heiratet einen älteren Mann und nach und nach, durch den Alltag, die Kinder, das Landleben, beruhigt sie sich ein wenig. Ein wunderbar ruhiger Film, der einem Zeit gibt, eine langsame Entwicklung nachzuempfinden. Traurig, aber auch tröstlich, manchmal gar heiter. "Licht der Illusion folgt dem Weg eines Menschen, der sich in die Reflexion über das Leben und den Tod versenkt. Es ist die Geschichte einer Frau, welche nach einer Zeit der tiefen Trauer ihren Platz im Leben wiederfindet. Die Trauer kann nur durch die Beständigkeit des Alltagslebens und durch die Kraft der Natur überwunden werden." (Hirokazu Kore-eda)" (Peripherfilm)

Ein Meisterwerk. Schon wieder. Kore-Eda legt einen Hammer nach dem anderen hin. AFTERLIFE, NOBODY KONOWS und nun MABOROSHI von 1995. Die Geschichte einer Frau, die ein zweites Leben nach ihrem ersten - sehr glücklichen Leben - sucht. Die Geschichte einer Frage, weshalb sich der erste - scheinbar lebenslustige und glückliche - Mann aus heiterem Himmel das Leben nahm. Die Geschichte einer Beziehung der Vernunft, die von den vorherigen Erfahrungen beider Partner überschattet und doch geprägt wird von Respekt, Zuneigung und Zärtlichkeit.

Was Kore-Eda hier geschaffen hat ist phänomenal. Einer derartige psychologisierte Bildsprache gab es vorher und später nur sehr selten im Kino. Wunderschöne Bilder voll melancholischer Struktur, meditativer Ästhetik und fantastischer Bildaufteilung erzeugen ein unvergessliches Kinoerlebnis. Unterstützt durch ein unspektakuläres aber stimmiges und einfülsames Drehbuch und großartige Darsteller mit fast zärtlichem Spiel bietet sich hier alles, was Kino braucht. Eine Geschichte von Menschen, komplett in Bildern erzählt.

Im Gegensatz zu den späteren AFFTERLIFE und NOBODY KNOWS sind die Bilder in diesem Film überästhetisiert, aber nicht unnatürlich. Suchte Kore-Eda später das unmittelbare, nahe, fast dokumentarische, geht er bei MABOROSHI mehr auf eine artifizielle Distanz, ohne die Nähe zu verlieren. Kore-Eda bietet im besten Sinne Kino für Erwachsene. Filme, die Lebensfragen aufwerfen, sie aber nicht beantworten, realitätsnah und doch ästhetisiert. Kore-Eda wird in einigen Jahrzehnten als Klassiker und Meisterregisseur unserer Zeit gelten.

Im Rahmen des Kinostarts von NOBODY KNOWS tauchen auch Kore-Edas ältere Filme in vielen Programmkinos Deutschlandsauf, dieser als MABOROSHI - LICHT DER ILLUSION. Also Augen auf und rein da. Alternativ die Korea-DVD kaufen.

Mirco Hölling (30.05.2005)