| Indien, 1995, 192 min Regie: Aditya Chopra mit Shahrukh Khan, Kajol Devgan, Amrish Puri, Farida Jalal, Anupam Kher, Satish Shah |
"Der Inder Chaudhry Baldev Singh lebt mit seiner Familie in London. Er hat es zu einem gewissen Wohlstand gebracht, hat aber seine indischen Wurzeln nicht vergessen. Seinen Traditionen will er seine ältere Tochter Simran mit dem Sohn seines in Indien lebenden, besten Freundes verheiraten. Simran fügt sich der Entscheidung des Vaters, wobei sie ihn bittet, ein letztes Mal mit ihren Freundinen ein Monat nach Europa auf Interrail zu fahren.
Zur gleichen Zeit fahren der ebenfalls in London lebende Inder Raj und seine Freunde auf Interail. Raj ist zwar auch Hindu, aber scheint nicht so der Tradition verbunden, sondern sich mehr an dem westlichen Lebenswandel zu orientieren. Simran und Raj begegnen sich in der Schweiz und es entwickelt sich eine Liebe auf den zweiten Blick.
Beide beschließen nach der Reise ihrem Schicksal zu folgen. Raj läßt Simran ziehen und die Familie Singh fliegt nach Indien um die Hochzeitsfeier zu arrangieren. Erst Rajs Vater macht seinem Sohn klar, dass er um seine Liebe kämpfen muß. Raj fliegt ebenfalls nach Indien und mischt sich listig unter die Hochzeitsvorbereitungen. Am Ende wird er entlarvt. Ob es doch noch zu einem Happy End kommen kann?" (Onlinefilmdatenbank)
DILWALE DULHANIA LE JAYENGE vereinte zum ersten Mal innerhalb der Hauptrollen das erfolgreiche Gespann des Superstars Shahrukh Khan und Kajol, die einerseits durch ihre Niedlichkeit, andererseits ihre Frechheit die Herzen der indischen Bevölkerung eroberte. Später folgten erfolgreiche Filme wie KUCH KUCH HOTA HAI und natürlich der indische Überfilm der letzten Jahre KHABI KUSHI KHABI GHAM (Sometimes Happy Sometimes Sad). DILWALE DULHANIA LE JAYENGE war für ein paar Jahre der längste Film der indischen Filmgeschichte, mittlerweile ist diese Messlatte jedoch auf über 200 min Spielzeit hochgeschraubt worden.
Die erste Hälfte des Films ist eine unbeschwerte, häufig (zu?) alberne Reise durch Europa. London, Paris und natürlich die vom indischen Kino geliebte Schweiz. Der Tonfall ist ausgelassen, die Annäherung der traditionell erzogenen, schwärmerischen Simran (Kajol) und des Draufgängers Raj (Shahrukh Khan) erfolgt wie erwartet. Man verachtet sich, kommt sich aufgrund der Umstände näher, bemerkt Sympathie zum jeweils anderen, überspielt diese und stellt erst nach der Trennung fest, dass man den anderen liebt.
Der zweite Teil (nach der Intermission) zeigt nun recht amüsant, wie Raj versucht, die vereinbarte Hochzeit seiner Liebsten mit einem absoluten Ekelpaket zu verhindern. Dieser Teil ist ernster angelegt, wenn auch hier der fröhlich-alberne Tonfall des gesamten Films überwiegt. Manchmal wünscht man sich ob der gar nicht so fröhlichen Thematik ein wenig mehr dramatische Zuspitzung und ein paar Blödelein weniger. Trotzdem schafft es der Film zum Ende hin, dramaturgisch einzunehmen und einige sehr starke Momente zu schaffen. Das Finale (eine wilde und sehr übertrieben choreographierte Prügelei) gemahnt dann zwar etwas zu heftig an, ist aber im Rahmen des Gesamtkontextes akzeptabel.
Auch in diesem Film wird die Fragestellung zwischen Tradition, Achtung vor den Eltern, der Ehre der Familie einerseits und Individualismus, persönlichem Glück und Liebe andererseits aufgeworfen und mit dem Bolly-typischen Kompromiß: Individualität ja, aber nur mit der Tolerierung von Eltern und traditionellen Wertehütern beantwortet. Aus westlichen Augen vielleicht ein wenig kitschig-idealistisch, aber vor dem Hintergrund der Gattung Bollywood im Allgemeinen und dem fröhlich-jugendlichen Tonfall des Films im Speziellen nicht nur akzeptabel sondern sogar zwingend und plausibel. Hierbei muss man deutlich konstatieren: DILWALE DULHANIA LE JAYENGE ist ein Film, der sich an ein junges Publikum richtet, welches zwischen Anpassung und Aufbegehren lebt, bzw. leben muss. Das Alter der Hauptdarsteller sowie die streckenweise teenagerhafte Blödelhaftigkeit ist für manch einen älteren Zuseher mit Sicherheit etwas anstrengend.
Wobei die beiden Hauptdarsteller ihre Sache sehr gut machen. Mangelnde Tiefe der durch das Drehbuch vorgegebenen Charaktere machen beide mühelos durch ihr engagiertes Spiel und ihr einzigartiges Charisma und ihre Leinwandpräsenz wett. Die Beziehung der beiden wirkt glaubhaft und lässt einige ganz starke Momente zu. Ein wenig mehr davon und der Film hätte Format zu einer internationalen Auswertung haben können. So bleibt ein fröhlicher Spaß mit einem dramatischen Finale, unterlegt mit reichlich Musik und Tanz.
Somit sind wir bei den Song&Dancenummern, die streckenweise erstaunlich, manchmal aber auch recht konventionell daherkommen. Der Beginn ist stark: Kajol tanzt durch ihr Schlafzimmer und bietet gewagt viele Einblicke auf ihren in ganz Indien begehrten Körper, des weiteren sehen wir eine Musiknummer, die einen Alkoholrausch symbolisiert. Originell und schwer unterhaltsam. Im Finale zum Hochzeitsfest hin, sehen wir viele festliche Tanzinszenierungen mit etlichen festlich geschmückten Körpern, Schön, aber nicht einzigartig, obwohl man auch hier Durchschnittlichkeit deutlich hinter sich lässt.
Es bleibt ein harmloser Spass, der für den westlichen Fan wohl nur mit gewissem Vorwissen ratsam ist, dann aber ob der tollen Darstellerleistungen (übrigens auch der Nebenrollen) glänzend unterhält.
Mirco Hölling (01.03.2005)
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