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Enter the Dragon
Hong Kong/USA, 1973, 110 min

Regie: Robert Clouse
mit Bruce Lee, John Saxon, Kien Shih, Ahna Capri

"Auf dem Land in der Nähe Hongkongs wird Lee (Bruce Lee), der überragende Karateschüler des Shaolin-Tempels, von Braithwaite (Geoffrey Weeks), einem Agenten einer internationalen Geheimdienstorganisation, angesprochen. Er will, dass Lee an dem brutalsten aller Karateturnieren teilnimmt. Das Turnier wird von Han Shih Kien, einem ehemaligen Shaolin Schüler, auf dessen geheimnisvoller Inselfestung veranstaltet..." (Online Filmdatenbank)

Prolog:
1.Junge:
"Das Praktische an einem Bruce Lee Videomarathon ist ja das man sein gesamtes Werk an an einem Abend weggucken kann. Es gibt ja nur 5 Bruce Lee Filme."
2.Junge:
"Vier! Nur vier Filme hat Bruce Lee abgedreht. Sein fünfter Film mit dem verheißungsvollen Titel GAME OF DEATH blieb aufgrund seines plötzlichen und mysteriösen Todes im Juli 1973 unvollendet.....
.....Erst Jahre später wurde GAME OF DEATH mit einem Bruce Lee Double fertig gestellt. "Mein letzter Kampf" hieß er bei uns in Deutschland. Ein sehr unbefriedigender Film, der mit dem eigentlichen Konzept von Bruce Lee nichts mehr zu tun hatte und in dem er nur in wenigen Minuten zu sehen ist."
1.Junge:
"Gut dann einigen wir uns auf 4 1/2 Bruce Lee Filme, ja ?"
2.Junge:
"Du tust ja so als hättest Du überhaupt keinen Schimmer wer Bruce Lee wirklich war. In den Siebzigern gab es mal ein Buch, das war von seiner Frau Linda geschrieben worden "Bruce Lee - The Man only". Tolles Buch!!"
Zitiert nach dem Hörspiel "Der kleine Drache" von Jörg Buttgereit.

Was man auch immer über Bruce Lee wissen mag, eines steht auf jeden Fall fest. ENTER THE DRAGON ("Der Mann mit der Todeskralle") - einer der vier wahren Bruce Lee Filme - ist definitiv nicht nur der populärste sondern mit Abstand auch der beste Film mit ihm. ENTER THE DRAGON war vor über 30 Jahren ein weltweiter Erfolg. Und auch heute noch vermag der Film zu faszinieren und zu unterhalten. Wer sich mit Kung Fu oder Martial Arts Filmen beschäftigt, kommt an Bruce Lee und vor allem an diesem Film nicht vorbei. Denn ENTER THE DRAGON hat wie kein zweiter Film das Genre auf Jahre hin geprägt. Umso tragischer ist es, dass Lee die Uraufführung dieses unterhaltsamen Filmes nicht mehr erlebte, da er am 20.07.1973 im Alter von nur 32 Jahren verstarb.

Aber warum funktioniert ENTER THE DRAGON auch heute noch so gut?
Es ist einfach die perfekte Mischung aus Action, Dramatik und auch komischen Momenten, die Robert Clouse gekonnt miteinander verbunden hat. Sicher, die Handlung war zum damaligen Zeitpunkt schon nicht mehr ganz neu: Wenn Bruce Lee - mit Rollennamen auch Lee (!) - als Agent zu einem Martial Arts Turnier auf die Insel des skrupellosen Han geschickt wird, der mit Frauen und Drogen handelt, so orientierte man sich stark an den damals enorm erfolgreichen James Bond Filmen. Und Bösewicht Han wirkt auch wie ein Mischung aus den Bond-Bösewichten Dr. No und Blofeld. Vor allem Blofeld, da Han - wie dieser eben auch - ständig eine weiße Katze mit sich herumträgt.

Ebenfalls zum enormen Unterhaltungswert trägt die Tatsache bei, dass Lee zwar die Hauptfigur des Filmes ist, ihm aber noch zwei weitere charismatische Darsteller zur Seite gestellt wurden. Das ist zum einem John Saxon als Roper und Jim Kelley als Williamson der in diesen Film übrigens sein Debüt gab. Auch wenn Jim Kelleys Charakter recht früh sein Leben lassen muss, bringen die beiden sowohl Humor als auch eine gehörige Portion Machismo in den Film. Letzteres wirkt aus heutiger Sicht an einigen Stellen schon mal unfreiwillig komisch. Wer will kann darin aber auch den Hang zur Selbstironie erkennen.
Der Zuschauer kann das anhand einer der witzigsten Szenen - die vor allem in der deutschen Synchronfassung sehr trashig rüberkommt - selbst entscheiden: Den Helden werden zum nächtlichen Vergnügen junge Damen angeboten, die Lee - keine wirkliche Überraschung - dankend ablehnt. Aber Kelley ist hier voll in seinen Element. Er entscheidet sich gleich für vier (!) der Schönheiten und begründet das folgendermaßen: "Ihr müsst das verstehen, man kann nicht alles haben was man möchte. Es war ein berauschender Tag und jetzt möchte ich mich entspannen." Und Ahna Capri als rechte Hand von Han erwidert darauf: "Das kann ich mir sehr gut vorstellen Mr.Williams. Sie müssen ja auch für morgen Ihre Kräfte schonen. Nicht?"

Toll ist auch eine kurze Rückblende, welche die Motivation der drei Hauptfiguren erklärt, aufgrund derer sie überhaupt an diesem Turnier teil nehmen möchten:
Bei Lee gibt es neben den beruflichen natürlich auch einen persönlichen Grund. Er ist von Rachegelüsten erfüllt, da einer von Hans Leibwächtern - dargestellt von Robert Wall - für den Tod seiner Schwester verantwortlich ist. Und als Zuschauer ahnt man schon, dass Lee die Chance auf Rache erhalten wird. Mit Robert Wall hatte es Bruce Lee übrigens auch schon in WAY OF THE DRAGON ("Die Todeskralle schlägt wieder zu") zu tun bekommen.

Und natürlich sind die Kampfsequenzen vom aller Feinsten ausgefallen und sehr sorgfältig gestaltet worden. Verantwortlich zeichnet sich dafür im übrigen Bruce Lee selber aus. So sind denn auch die Kämpfe sehr realistisch gehalten, ohne fliegende Menschen an Seilen und ohne Tricks. Es ist wirklich beeindruckend was Lee mit seinen 1,72 m (und gerade mal 67,5 kg) an Energie und Präsenz rüber bringt. Seine Fitness, seine Eleganz und mit welch scheinbarer Leichtigkeit er seine Kämpfe vorführt, das hat man so nicht mehr wieder gesehen. Übrigens muss Lee auch gegen Jackie Chan kämpfen, der in diesen Film noch als Stuntman gearbeitet hat.

Und selbst seine philosophischen Vorstellungen zur Kampfeskunst konnte er in diesen von Warner Bros. produzierten Major Film unterbringen. In der Pre-Title-Sequenz plagt sich Lee mit einem Schüler ab, der sein Können demonstrieren soll. "Was soll denn das sein? Eine Demonstration? Was ich sehen will muss von hier oben (fasst sich dabei an den Kopf) gelenkt sein, versteht Du?" ärgert sich Lee über den Schüler. Der Schüler wiederholt artig die Übung. Aber Lee findet darin wieder sein missfallen: "Ich will kühle Berechnung, Köpfchen und Konzentration und nicht Wut. Das war wirklich nichts. Zum dritten mal also!" Der dritte Versuch des Schülers erfreut das Herz von Lee, so das er ihn fragt was er dabei empfunden habe. Aber mehr als zu "ich denke" kommt er nicht, da Lee ihn unterbricht: "Nicht denken, fühlen sollst du. Es ist genau so wie bei einem Finger. Ein Finger, der in Richtung auf den Mond zeigt. Du darfst dich nicht nur auf den Finger konzentrieren, denn wenn du das tust, siehst du ja nichts von der himmlischen Pracht und Herrlichkeit. Die entgeht dir dann vollkommen."
Das ist sozusagen Bruce Lee pur. Diese Aussagen fassen seine Vorstellungen sehr schön zusammen.

Die Pre-Title-Sequenz dauert übrigens ganze 8 Minuten. Erst dann erscheinen die Credits und das wunderbare jazzige Titelstück "Theme from Enter the Dragon" ertönt, das von Lalo Schifrin komponiert wurde. Die Musik macht einen weiteren zusätzlichen Reiz des Filmes aus. Neben diesem Thema hat sich Schifrin vor allem mit der Titelmusik zur amerikanischen TV-Serie MISSION IMPOSSIBLE unsterblich gemacht.

Auch das Finale des Film ist selbstverständlich aufregend: Der Endkampf zwischen Lee und Han ist der fulminante Höhepunkt von ENTER THE DRAGON. Denn die Auseinandersetzung endet in der mitlerweile legendären Spiegelsequenz die wie eine Reminzenz an Orson Welles THE LADY FROM SHANGHAI ("Die Lady von Shanghai") wirkt. Hier kommt übrigens auch endlich die im deutschen Titel benannte "Todeskralle" zum Einsatz.

Regisseur Robert Clouse wird wohl immer mit diesem Klassiker in Verbindung gebracht werden und es ist sicherlich auch sein bester Film geworden. Ihm ist auch der "4 1/2 Bruce Lee Film" zu verdanken, der bereits erwähnte und von den Fans sehr zwiespältig aufgenommenen GAME OF DEATH ("Bruce Lee - Mein letzter Kampf"). In diesem Film sind leider nur zum Ende hin Originalszenen aus dem unvollendeten Werk von Bruce Lee verwendet wurden. Und Robert Wall ist auch wieder mit von der Partie. Außerdem hat Clouse den noch brauchbaren THE AMSTERDAM KILL ("Der Tiger aus Taipeh") mit Robert Mitchum (!) und Leslie Nielsen (!) in den Hauptrollen zu verantworten.

Neben Bruce Lee ist von der Besetzung nur noch John Saxon einigermaßen bekannt. Saxon Gesicht bringt man vor allem mit B-Filmen in Verbindung. In seiner Karriere trat er in nahezu über 200 Kino- und Fernsehfilmen auf, und war dabei in jedem Genre zu sehen. Im Easterngenre hat man ihn leider nicht wieder gesehen. Aufgetreten ist er in so unterschiedlichen Filmen wie THE CAVERN ("Neunzig Nächte und ein Tag") dem letzten Film von Edgar G. Ulmer oder in A NIGHTMARE IN ELMSTREET ("Nightmare - Mörderische Träume"), Freddy Kruegers ersten Filmauftritt.

Jim Kelley wiederum war nur eine sehr kurze Filmkarriere vergönnt, in deren Verlauf er in weiteren Martial Arts Filmen wie GOLDEN NEEDLE ("Das Geheimnis der sieben goldenen Nadeln") inszeniert von Robert Clouse oder DEATH DIMENSION ("Der Einzelkämpfer") vom Trashfilmer Al Adamson zu sehen war.

Kien Shih, der den Bösewicht mimte, tat dies anschließend auch noch in zahlreichen anderen Filmen und war neben Jackie Chan in THE YOUNG MASTER ("Meister aller Klassen") oder in Tsui Harks A BETTER TOMORROW 3 ("Hexenkessel Saigon") zu sehen.

Wer nach Besichtigung von ENTER THE DRAGON von Bruce Lee noch nicht genug hat, der sollte - oder muss - natürlich auch seine vorigen Werke anschauen. Das da sind FISTS OF FURY aka THE BIG BOSS ("Die Todesfaust des Cheng Li"), THE CHINESE CONNECTION ("Todesgrüße aus Shanghai") und der von Lee selbst inszenierte WAY OF THE DRAGON ("Die Todeskralle schlägt wieder zu"). Allesamt sehr unterhaltsame Filme.

Wem das allerdings immer noch nicht reichen sollte, kann sich mit Unmengen von Filmen beschäftigen, die nach Bruce Lees frühem Tod die Leinwände eroberten. Da gibt es die zahlreichen Imitatoren von Lee zu entdecken, die seinen Kampfstil nacheiferten und Namen trugen wie Bruce Le oder Bruce Li. Oder man greift zu Filmen, die zumindest durch die englischen und deutschen Titel einen (nicht vorhandenen) Zusammenhang mit Bruce Lee suggerieren, wie EXIT THE DRAGON, ENTER THE TIGER ("Abschied von der Todeskralle") oder BRUCE AND I ("Bruce Lee und ich"). Schließlich kann man sich die Filme anschauen, die vorgeben über das wahre Leben von Bruce Lee zu handeln. Filme wie die Shaw Brothers Produktion BRUCE LEE AND I ("Bruce Lee - das war mein Leben") oder BRUCE LEE`S DEADLY KUNG FU ("Bruce Lee - Gigant des Kung-Fu"). Und nicht zu vergessen Werke wie BRUCE LEE WE MISS YOU ("Bruce Lee - Er bleibt der Größte"), die vorgeben die Ursache des frühen Todes des Meisters zu erforschen.

Grundlage dieser Rezension ist die Doppel DVD von Warner Bros., die in zahlreichen Extras versucht dem Mythos von Bruce Lee auf den Grund zu gehen. Denn Warner hat zwei sehr interessante Dokumentationen über Leben und Werk von Bruce Lee auf dieser DVD mit veröffentlicht. CURSE OF THE DRAGON ("Der Fluch des Drachen") ist zwar schon aus dem Jahre 1993, aber das darin enthaltene Archivmaterial ist wirklich sehr beachtlich. So bekommt man Bilder von der Beerdigung von Bruce Lee zu sehen, an der ja auch Hollywood Stars wie Steve McQueen oder James Coburn teilnahmen. Produziert wurde diese Dokumentation übrigens von Fred Weintraub (seine Zeichens Produzent von ENTER THE DRAGON) und Robert Wall (Darsteller in ENTER THE DRAGON). Der Film wurde von Warner schon in früheren Zeiten auf VHS veröffentlicht.
Mit einer Dauer von 90 Minuten ist BRUCE LEE: A WARRIOR`S JOURNEY ("Bruce Lee - Der Weg des Kämpfers") von 2000 etwas aktueller. Auch hier werden biografische Daten von Lee abgehandelt, aber das Hauptaugenmerk dieser Dokumentation liegt auf seinem nicht vollendeten Film GAME OF DEATH. So wurden über 30 Minuten zusammen geschnitten, und man erhält einen ungefähren Eindruck davon, was für ein toller Film das hätte werden können. Wirklich bedauernswert, dass Lee nicht mehr die Möglichkeit hatte, den Film zu vollenden und in die Kinos zu bringen. Diese Dokumentationen hat Warner auch schon längst als Einzel DVD veröffentlicht.

Der Film selbst erstrahlt in toller Bildqualität und hat einen gut abgemischten englischen 5.1 Dolby Digital Ton verpasst bekommen. Ganz hervorragend ist auch das Featurette über die Entstehung des Filmes. Für Fans und solche die es werden wollen ist diese Doppel DVD daher ein Pflichtkauf.

Lars Mierke (18.02.2005)