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Breaking News
Hong Kong / China, 2004, 90 min

Regie: Johnny To
mit Suet Lam, Kelly Chen, Nick Cheung, Siu-Fai Cheung

„Detective Cheung ist auf der Spur einer Gruppe von Bankräubern. Die Observation scheitert, als zwei Straßenpolizisten den Wagen der Diebe kontrollieren wollen. Der Versuch die Situation zu retten und die Diebe zu stellen schlägt fehl. Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der einige Beamte kaltblütig erschossen werden und die Diebe wieder einmal entwischen können. Zum großen Ärger der Sicherheitsbehörde wird das ganze Szenario auch noch live vom Fernsehen übertragen, was das Ansehen und das Vertrauen der Bevölkerung in die staatliche Sicherheit immer weiter schmälert. Die Diebe verschanzen sich in einem riesigen Wohngebäude, bringen ein paar Zivilisten in ihre Gewalt und planen ihre weitere Flucht. Cheung bleibt ihnen auch weiter auf der Spur, als Inspektorin Rebecca Wind von der Sache bekommt und den Fall mit ihren Truppen und Spezialeinheiten übernimmt. Sie will die Geschehnisse dazu nutzen das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und kreiert eine riesige Medienkampagne. Natürlich läuft in der "Show" nicht alles wie geplant und das Katz- und Mausspiel beginnt...“(asianfilmweb.de)

Nach einer kurzen Dürreperiode, einsetzend mit FULLTIME KILLER, hat sich Johnny To wieder zurück gemeldet. Mit PTU legte er einen der spannensten Beiträge zum Genrekino des Jahres hin. Zurück waren die Erfolgsfaktoren seiner Produktionsfirma Milkyway: Originelles Drehbuch, düstere Atmosphäre, furiose, aber dosierte Actioneinlagen, gut geführte Darsteller und ein fast schon nihilistisches Weltbild. Etwas früher ließen schon Andrew Lau und Alan Mak INFERNAL AFFAIRS auf die Menschheit los. Das Hong Kong-Kino lebte wieder. Aber machen zwei Schwalben schon einen Sommer?

Zumindest von einem Frühling darf gesprochen werden: Es folgten die beiden mehr als respektablen Fortsetzungen zu INFERNAL AFFAIRS und auch weitere Filme der Insel mit Sonderstatus gaben die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den Tugenden vergangener Zeiten: Mut zum Besonderen, Abwendung vom bloßen Kopieren amerikanischer Vorbilder, Besinnung auf selbstbewussten Lokalkolorit. Natürlich wird unter diesen Umständen das jüngste Werk von einem der wichtigsten Regisseure Hong Kongs der letzten 15 Jahre da mit Spannung erwartet.

Wird BREAKING NEWS dieser gesteigerten Erwartungshaltung gerecht? Ein deutliches JA. Auch wenn der Film mit Sicherheit kein absolutes Meisterwerk darstellt, ist er doch ein großartiger Genrebeitrag mit einem fantastischem Grundplot, furioser Action, einem guten Drehbuch und einem gehörigen Schuss ambitionierter Medien- und Sozialkritik.

To versucht die Rolle von Institutionen (hier der Medien und Pressestellen der Polizei) und der Frage nach objektiver Wahrheit, wie schon im Vorgänger PTU, in eine Action- und Thrillerhandlung einzubauen. Für die ehrgeizige Polizistin ist nicht das Ergreifen der Bösewichter das Entscheidende, es ist die Art der Darstellung in den Medien, was sie primär interessiert. Sie möchte das ramponierte Image der Polizei aufmöbeln und befiehlt einen Einsatz, der in seinen Dimensionen völlig übersteigert ist und den Verlauf eher verschlimmert als verbessert. Hauptsache, der Bürger hat das Gefühl, das für seine Sicherheit gesorgt wird.

Hier prallt typisches Hong Kong Kino mit großen Shoot-Outs, furioser Action, zynischen, aber zum Pathos neigenden Antagonisten auf Aufklärungskino der Marke New Hollywood. Allein, beide Faktoren passen nicht 100%ig zusammen. Eine Entscheidung für eine der beiden Richtungen hätte dem Film sicherlich besser getan, denn die titelgebende Medienschelte (oder genauer: die Schelte der Abhängigkeit der Menschen von eben diesen und deren Manipulation) kommt zugunsten von Actioneinlagen, dem Konflikt der reservierten Einsatzleiterin und einem draufgängerischen Polizistin, skurriler Situationen und einer leichten Verklärung der Bad Guys etwas zu kurz.

Darüber hinaus funktioniert die Rolle eben jener Einsatzleiterin (Kelly Chen) nicht ausreichend. Allzu kühl und bemüht distanziert geht sie ihrem Job nach, bis sie im Finale plötzlich selber körperlich in die Handlung hineingezogen wird. Da entwickelt der Film mit seine stärksten Momente, leider jedoch geht einem hier ihr Schicksal ob ihres unterkühlten Spiels einfach nicht nahe genug. Entschuldigend muss man einwänden, dass To hier, wie in PTU bewusst keine Protagonisten mehr anbietet. Eigentlich sind alles Arschlöcher: Die Polizisten, die Gangster und selbst Lam Suet, der mit seinen Kindern als Geiseln genommen wurde. Im Gegensatz zu PTU jedoch sind die Rollen jedoch nicht so tief angelegt und zusätzlich mit ordentlichen, jedoch nicht überragenden Darstellern besetzt.

Genug der Schelte. Neben diesen zu recht häufig kritisierten Elementen, bietet der Film andererseits eine Menge. Das Drehbuch ist trotz der Mängel gut angelegt und bietet seltsam schöne Momente (das gemütliche Kochen der Gangster mit den Geiseln während draußen Armeen von Polizisten das Haus belagern), eine entfesselte Kamera, die von allen technischen Zwängen losgelöst scheint, einen zwar nicht homogenen aber wirkungsvollen Soundtrack und fantastische Actionszenen. Allen voran muss zum letzteren ein einführender Shoot-Out in einer Nebenstraße genannt werden, der die orgiastische und chaotische Ballerorgie in einer einzigen 9-minütigen (!) Einstellung zeigt. Kein Schnitt, kein doppelter Boden. Die Kamera schwenkt über Stockwerke, Autos, Müll, Kisten und Tonnen, hinter denen jeweils Beteiligte der Schießerei ihrem Handwerk nachgehen. Ein Meisterstück aus Bildgestaltung und Choreographie. Die eigentliche Darstellung der Shoot-Outs ist trocken und nüchtern, erinnert an HEAT, wird jedoch durch diese Kamera der Wirklichkeit enthoben. Was das ganze dramaturgisch nun soll, sei dahingestellt, aber schön ist es trotzdem. Weshalb genau diese Szene zu vielen Unmutsbekundungen innerhalb der Expertenszene sorgt, ist seltsam und wohl auf die eingangs erwähnte Erwartungshaltung und der schnell verbreiteten Gerüchte ob dieser Schießerei in einer Einstellung zurückzuführen. Vielen war dann selbst diese phänomenale Regieidee zu simpel, hatte man sich wohl eher Herioc-Bloodshed mit langen Mäntel, zwei Knarren und grimmigen Männern mit Streichhölzern im Mundwinkel vor dem geistigen Auge ausgemalt.

Nein, gegen BREAKING NEWS ist nicht viel einzuwenden. Es ist ein guter Film, der hätte besser werden können, aber eben so ist wie er ist und mit Sicherheit einen der besten Genrebeiträgen des Jahres darstellen wird. Und den schwachen FULLTIME KILLER stellt der Film deutlich in den Schatten, da er bei THE MISSION und PTU ansetzt. Weiter so Johnny, auch wenn es kein Meisterwerk geworden ist, ist der Weg der richtige.

Die Hong Kong-DVD kommt im hübschen Pappschuber, üppigem Bild und Ton und ein paar Extras daher, die auch ohne Untertitel dem westlichen Zuschauer Unterhaltungswert bieten.

Mirco Hölling (25.01.2005)