die website für den asiatischen film

 

Lady Snowblood
Japan, 1973, 97 min

Regie: Toshiya Fujita
mit Meiko Kaji, Toshio Kurosawa, Miyoko Akaza

"Yuki kennt nur eines: Töten! Nachdem ihre Mutter einst von sadistischen Ganoven misshandelt wurde, soll sie für Vergeltung sorgen. Von Kindesbeinen auf wird Yuki zur tödlichen Killermaschine ausgebildet, und in ihrem Herzen lodert das Verlangen nach blutiger Rache an den Peinigern ihrer Mutter." (OFDB )

Das Motiv der Rache ist eines der ältesten und populärsten Motive des Kinos überhaupt. Ob amerikanische Western wie BACKLASH ("Das Geheimnis der fünf Gräber") oder Sergio Leones CERA UNA VOLTA IL WEST ("Spiel mir das Lied vom Tod" ), Fantasy Filme wie CONAN THE BARBARIAN ("Conan der Barbar") oder Charles Bronson, der als Ein- Mann-Armee in den DEATH WISH Filmen in der Unterwelt aufräumt, ist dass Thema sehr unterschiedlich behandelt wurden. So wurde In den DEATH WISH-Filmen das Thema eher reißerisch inszeniert und Sergio Leone gab seinem Film eher den Stil einer großen Oper.

Aber auch in den zahlreichen Martial-Arts-Filmen aus Hongkong zogen Helden wie Bruce Lee – zum Beispiel in FIST OF FURY ("Todesgrüße aus Shanghai") aus – um den Tod seines Lehrers zu rächen. Das Motiv, den Tod seines Meisters zu rächen war vor allem in Hongkong Kino sehr populär.

Doch LADY SNOWBLOOD geht diesbezüglich ganz andere Wege. Zum einen, da die Titelfigur eine Frau ist, und zum anderen, da Sie nur zum Zweck der Rache geboren wurde. Es sind die Rachegelüste der Mutter, die vor allem gestillt werden sollen. Und die Wut der Mutter über den brutalen Tod Ihres Mannes ist dermaßen ausgeprägt, dass Sie mit aller Macht schwanger werden will. So nutzt sie jede Möglichkeit, sich von fremden Männern schwängern zu lassen. All dies, weil Sie unbedingt einen Sohn (!) gebären will, der den Tod des Gatten rächen soll. Es ist schon krude, was sich die Drehbuchautoren Kazuo Uemura und Kazuo Koike (der auch Drehbücher zur Okami Reihe wie LONE WOLF AND CUB : SWORD OF VENGEANCE geschrieben hat) hier ausgedacht haben.

Auch ist es interessant zu beobachten, was die beiden Autoren sich zur Ausbildung der Titelheldin haben einfallen lassen. Für das Genre ein wichtiger und typischer Aspekt, da der Rächer - bzw. hier ja die Rächerin - gut gerüstet sein muss, damit Sie Ihren Opfern weit überlegen ist. Und die zukünftige LADY SNOWBLOOD wird durch einen Priester ausgebildet, der schon mal zu sehr eigensinnigen Maßnahmen greift. So muss Yuki zum Beispiel in leeren Fässern einen Hang herunter rollen, um im entscheidenden Augenblick aus dem Fass heraus zu springen. Während dessen der Priester darauf wartet, mit einen Schwert das Fass zu spalten!

LADY SNOWBLOOD gehört daher zweifelsohne zu den besten und originellstenRevenge Movies die das Licht der Filmwelt erblickt haben. Nicht nur durch die oben beschriebenen Drehbucheinfälle sondern auch aufgrund der schon fast zu schönen Bilder (großartige Kamera: Masaki Tamura) weiß der Film zu überzeugen. Visuell ist der Film ganz sorgfältig gestaltet. Jede Kamera Einstellung, jeder Schnitt ist von seinen Machern genauestens eingesetzt.

Auch die wirklich spektakulären ersten 20 Minuten ziehen einen in den Bann. Da wird dermaßen wild in der Zeitebene hin und her geschnitten, dass man schon befürchtet den Überblick zu verlieren. Danach wird die Geschichte jedoch in chronologischer Reihenfolge weiter erzählt.
Und der Film zeigt schon mal auf, wie schwierig sich eine Rache gestalten Kann: Was macht man zum Beispiel, wenn einer der Gejagten schon lange Tod ist? Oder wie reagiert man darauf, wenn sich einer der Verfolgten selbst das Leben nimmt ? Was macht man dann mit den unbändigen Durst nach Rache ?
Die Antworten darauf können durchaus sehr drastisch ausfallen.

Überhaupt macht der Film in Punkto Gewalt keine Gefangenen macht. Wie man es aus japanischen Filmen nicht anders kennt, spritzt das Blut schon mal literweise. Das sind Bilder, die der geneigte Zuschauer auch aus den Okami-Filmen kennt. Es gibt auch wahre poetische Bilder der Grausamkeit: Wenn eines der Opfer stark verwundet am Strand ins Wasser fällt, und das Wasser sich darauf hin Blut rot färbt. Das sind starke visuelle Eindrücke.

Auch lobenswert ist die tolle Musik von Hirao Masaaki. Dabei sind sowohl klassische arrangierte Orchestermusik als auch fetzige 1970iger-Jahre-Rhythmen zu hören. Schön auch der von Masaaki selbst geschriebene Titelsong "The Flower of Carnage", der von der Hauptdarstellerin selbst gesungen wird! Der Song (damit wirbt auch das DVD-Cover) hat es sogar bis in Quentins Tarantinos KILL BILL-Saga geschafft.

Nicht die einzige Referenz, die Asien Fan Quentin LADY SNOWBLOOD erwiesen hat.So hat sich Tarantino nicht nur den Song geborgt. Nein, auch die Kapitel-Einteilung scheint er für KILL BILL übernommen zu haben. Und die größte Referenz ist natürlich die in beiden Filmen auftauchende weibliche Hauptdarstellerin auf Racherour.

Doch zurück zu LADY SNOWBLOOD: Die Titelheldin wird im übrigen von der wunderschönen Meiko Kaji dargestellt. Sie schafft es trotz des teilweise comichaften Charakter die LADY SNOWBLOOD glaubhaft darzustellen. Weitere Rollen hatte sie in Filmen wie FEMALE PRISONER 701: SCORPION oder in Kinji Fukasku´s YAKUZA GRAVEYARD.

Der mittlerweile verstorbene Regisseur Toshiya Fujita hat in seiner Karriere um die 30 Filme gemacht. Davon sind bei uns aber nur die beiden LADY SNOWBLOOD Filme bekannt. Eine Entdeckung wären wohl auch die anderen Werke sicherlich wert.

Grundlage dieser Rezension ist die DVD von AnimEigo die mit einer hervorragenden Bild und Tonqualität daher kommt. Als Extras gibt es tolle Trailer aus der OKAMI- und der ZATOICHI-Reihe zu bestaunen. In Februar wird der Film erstmals regulär in Deutschland durch RpaidEyeMovie veröffentlicht.

Lars Mierke (18.01.2005)