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House of the Flying Daggers
China / Hong Kong, 2004, 119 min

Regie: Zhang Yimou
mit Andy Lau, Zhang Ziyi, Takeshi Kaneshiro

„Der kaisertreue Polizist Leo (Andy Lau) und sein Undercover-Kollege Jin (Takeshi Kaneshiro) suchen in einem Bordell nach einem Mitglied des Widerstandsclans "House of flying Daggers". Sie stoßen auf die blinde Tänzerin Mei (Zhang Zi-yi), die Leo auch sogleich attackiert.
Mei wird verhaftet und es es stellt sich heraus, dass sie die verschwundene Tochter des ehemaligen Clanchefs ist. Die beiden Polizisten hecken einen Plan aus, damit Mei sie zum geheimen Versteck der "flying Daggers" führt:
Jin mit seiner Tarnung als Martial Arts-Meister soll Mei aus dem Gefängnis befreien und mir ihr fliehen. Leo organisiert inzwischen eine getürkte Verfolgung und Angriffe, damit das ganze auch echt wirkt. Doch auf der Flucht kommen sich Jin und Mei näher, Jin beginnt an seinem Auftrag zu zweifeln. Als dann noch ein mysteriöser General das Kommando über die Operation übernimmt, droht alles außer Kontrolle zu geraten.“ (OfdB)

Zwei Jahre nach dem Welterfolg HERO stößt Zhang Yimou in ein ähnliches Horn. Die gute Aufnahme des Vorgängers hat die Entscheidung, erneut das Martial-Arts-Genre zu erforschen mit Sicherheit erleichtert. Sorgen, dass es sich bei HOUSE OF THE FLYING DAGGERS nur um HERO 2 handeln würde sind jedoch unbegründet.

Zwar gibt es zwischen beiden Werken natürlicherweise Prallelen, doch ist die Herangehensweise eine andere. HERO war eine intellektuelle Erforschung der chinesischen Kampfkunst, der Tradition, des chinesischen (bzw. Hong Kong-) Kinos und eine Parabel auf Loyalität und Verrat.

All dies findet bei HOUSE OF THE FLYING DAGGERS zwar auch wieder Einzug, so dass man anfangs meinen mag, auch dieser Film ginge in diese Richtung, jedoch entwickelt sich schnell ein ganz persönliches Drama zwischen Menschen, im Gegensatz zu den gleichnishaften fast archetypischen Figuren in HERO. Menschliche Fehlbarkeiten treten deutlicher in den Vordergrund, die Figuren gehen einem näher, da geliebt und gehasst wird (und zwar aus ganz irdischen Gründen). Die Anfangs „große“ Geschichte des Widerstandes gegen da Regime wird nur als Anlass genommen, um ein zwischenmenschliches Drama zwischen drei Personen zu erzählen. Die Geschichte des Widerstandskampfes wird mehr und mehr vernachlässigt, gegen Ende sogar ignoriert, da das Ergebnis eben diese „großen“ Kampfes nicht mal mehr angedeutet wird.

HOUSE OF THE FLYING DAGGERS ist daher viel näher an CROUCHING TIGER & HIDDEN DRAGON (TIGER & DRAGON) dran, als an seinem Vorgänger HERO.

Die Story ist großartig und weist immer wieder Überraschungen auf, mit denen selbst der den Genrekonventionen verhaftete Zuschauer nicht rechnen kann. Dabei ist aber ganz entscheidend das überzeugende Spiel der drei großartigen Darsteller ANDY LAU (INFERNAL AFFAIRS, RUNNING OUT OF TIME, DAYS OF BEING WILD), Takeshi Kaneshiro (THE ODD ONE DIES, CHUNGKING EXPRESS, FALLEN ANGELS) und natürlich der mittlerweile omnipräsenten Zhang Ziyi (CROUCHING TIGER & HIDDEN DRAGON, MUSA, HERO, 2046). Das emotionale Geflecht der Personen ist kompliziert, nachfühlbar, meisterhaft inszeniert und fotografiert und mit perfekter traditioneller Musik unterlegt (Shigeru Umebayashi; IN THE MOOD FOR LOVE).

Die zahlreichen Kämpfe - mal wieder choreographiert von einem der besten: Ching Siu-Tung - gleichen wieder Balletten. Schwerelos fliegen die Kämpfer über sich und um sich herum, jedoch weicht die Eleganz mit zunehmender Spielzeit eher einer gewissen Verzweiflung. Man spürt: diese Helden sind nicht unantastbar. Im finalen Schlußfight zweier rivalisierender Männer um die Gunst der schönen Mei gar artet der eigentlich vielversprechende Kampf, ob der Fähigkeiten der Teilnehmer, nur noch in eine wilde Männerklopperei ohne Würde und filigrane Kampftechniken aus. Hier geht es um verletzten Stolz, Liebe und Hass; da regieren halt Emotionen und die Perfektion der Kampfkunst, die Würdigung des Gegners etc. weichen einem brachialen und verzweifelten Vernichtungswillen des Gegenüber. Wunderschön übrigens, wie sich während diese Kampfes die Landschaft mit Schnee bedeckt und irgendwann alle Farben, Geräusche und Konturen verschluckt (Weiß= die chinesische Farbe der Trauer).

Überhaupt, Die Bilder: Satte Primärfarben bestimmen die Szenerie, die handelnden Figuern sind Teile eines großen Ganzen, bewegen sich in einer Welt, die sie nie werden dominieren können. Die Natur wirkt satt und gesund, der Mensch zum Ende hin immer fehlbarer und unperfekter.

Ein großer und eindringlicher Genrefilm, der jedoch auch nicht Martial-Arts-affinen Zuschauern mit Sicherheit gefallen wird.

Anfang 2005 startet HOUSE OF THE FLYING DAGGERS in den deutschen Kinos, bis dahin: HK-DVD. Guter Ton (DTS), ordentliches Bild und noch ein Trailer. Zuschlagen.

Mirco Hölling (02.12.2004)