| Südkorea, 2003, 135 min Regie: Woo-Suk Kang mit Sung-kee Ahn, Jun-Ho Heo, Kyung-gu Sol, Jae-Yeong Jeong |
"31 zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen werden auf Regierungsbefehl auf der Insel Silmido zu Killermaschinen für ein Himmelsfahrtskommando trainiert. Mit schonungsloser Härte zeigt der Film, wie Willen und Psyche der Männer gebrochen werden, um sie in gefühllose, perfekt funktionierende Roboter zu verwandeln.
Übrigens basiert der CinemaScope-Film auf einer wahren Begebenheit. In den späten 60er Jahren soll eine Gruppe
südkoreanischer Gefangener von der Regierung für die Ermordung des nordkoreanischen Dikators Kim Il-Sung ausgebildet worden sein." (Filmfest Hamburg)
SILMIDO ist ein weiterer koreanischer Versuch, den Typus des Action-Blockbusters neu zu definieren. Die Production Values sind üppig, die Darsteller (zumindest in Korea) namhaft, die technische und inszenatorische Qualität reicht von routiniert bis gut. Leider fehlt fast allen diese südkoreanischen Mammutfilme irgendetwas. Ist es Herz?
Die Story von SILMIDO ist nicht nur spektakulär sondern auch noch auf wahren Ereignissen basierend. Derartig skandalöse Vorhaben passen nicht mehr in die heutige Zeit der Post-Kalte-Krieg-Ära. Nur vergisst man als westlicher Konsument recht schnell, dass im geteilten Korea der kalte Krieg noch nicht beendet ist. Daher rührt auch das immerwährende Interesse der Südkoreaner an streckenweise fast schon kitschigen Wiedervereinigungsphantasien und dramatischem militärischen Pathos.
SILMIDO versucht einerseits die Gefahren der o.g. Elemente zu umgehen, bedient sie jedoch andererseits mit viel Patriotismus, Märtyrertum und Heldentod. Das Absingen der („Oh Tannebaum“ nicht unähnlichen) Nationalhymne wird bis zum Exzess zelebriert, die eigentlich verbrecherischen Mitglieder der Einheit mutieren zu Vorzeige-Elitesoldaten, die darauf brennen, ihre patriotische Pflicht (und damit auch den fast sicheren Tod hinnehmend) zu erfüllen.
Als dann politisches Tauwetter anbricht und die südkoreanische Regierung sich der geheimen Elite-Einheit schämt, entsteht bei den Ausbildern ein durchaus interessant dargestellter Konflikt zwischen Pflicht und Gehorsam einerseits und Verpflichtung und Verantwortung gegen über Schutzbefohlenen andererseits.
Die Auflösung des Konfliktes ist dann zwar äußerst regierungskritisch, andererseits aber ausgesprochen patriotisch, so dass man sehr deutlich an amerikanische Vertreter des Genres erinnert wird.
Technisch wurde sehr sauber und sorgfältig gearbeitet. Man erlebt aufwändige Action-szenen, gute CGI, üppige Kamerafahrten und gute Darsteller. Allein...der Funke mag angesichts der Masse an Protagonisten, dem Hans-Zimmer-artigen Pathosscore mit Military-Drum, der zu ausgewalzten Länge und der teilweise dann doch zu klischeehaften Plottwists nicht hundertprozentig überspringen.
Unterm Strich ist SILMIDO solide Unterhaltung mit einem aufregenden Grundplot, die mit reichlich unausgeschöpftem Potential an den Start geht.
Die e-m-s-Tochter 3L wird den Film voraussichtlich im Januar 2005 auf die deutschen Leinwände bringen.
Mirco Hölling (04.10.2004)
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